Jetzt zum eigentlichen Bau. Ich zeige dir, womit ich gearbeitet habe, wie ich das Briefing gesprochen habe und was die KI daraus gemacht hat.
Die Ausgangslage
Ich arbeite vor allem mit zwei Werkzeugen: mit Codex, lokal auf meinem Computer, und mit Claude Code. Bei beiden nutze ich das große Abo für rund 200 Euro im Monat. Bei mir ist schon alles eingerichtet: der Server, die Verbindung von Claude zu diesem Server und ein Diktierwerkzeug. Das richtet man einmal ein.
Für das Experiment habe ich keine neue Domain registriert. Eine neue Domain braucht beim Anbieter oft zwei, drei Stunden, bis sie funktioniert. Deshalb lief Sagwerk zunächst auf einer Unterseite meiner eigenen Website.
Das Briefing
Ich habe die Idee nicht aufgeschrieben, sondern diktiert. Das geht auch direkt in Claude. Meine Sprachnachricht dauerte gut fünf Minuten. Ich habe einfach erzählt, was mir einfiel, ziemlich unsortiert.
Trotzdem steckt eine klare Ordnung darin. Wenn du selbst ein Briefing sprichst, kannst du dich an diesen sieben Punkten orientieren:
- Die Kernidee in einem Satz. Handwerker erstellen und ändern ihre Webseite per Sprachnachricht.
- Die Zielgruppe. Der etwas ältere Handwerker, 50 plus, der mit Computern wenig zu tun haben will.
- Der Weg des Kunden. E-Mail-Adresse eintragen, sprechen oder hochladen, ein paar Pflichtangaben ausfüllen, sofort die fertige Seite sehen.
- Gestaltung und Technik. Minimalistisch, sehr schnell, schöne Bilder, eine Startseite, die in einem Satz sagt, worum es geht.
- Das Geschäftsmodell. Gratis ansehen, dann monatlich mieten. Bezahlung über Digistore24.
- Der Name. Einfach und passend für Handwerker in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
- Freiraum. Die KI darf nachfragen und Dinge ergänzen, an die ich nicht gedacht habe.
Hier ist das Briefing im Wortlaut, nur sprachlich geglättet.
Mein Sprach-Briefing an die KI
Ich möchte eine Webseite für Handwerker bauen, auf der sie ihre komplette Webseite per Sprachnachricht gestalten können. Sie sollen eine Sprachnachricht hochladen können. Sie sollen Text schreiben und Dokumente und Bilder hochladen können, gern auch unsortiert. Sie sollen sagen können, welche Farben sie möchten. Dazu sollen sie ein paar Angaben ausfüllen, zum Beispiel ihren Namen und das Impressum, damit wir die wichtigen Daten haben. Dafür empfehle ich eine Art Fragenkatalog, also eine Umfrage mit mehreren Stufen.
Das Design soll sehr einfach und minimalistisch sein, damit es für Handwerker extrem leicht ist. Wir brauchen eine schöne Startseite, auf der sich die Leute sofort angesprochen fühlen. In einem Satz soll klar sein, was sie hier bekommen.
Alles soll mit sehr wenig Reibung funktionieren. Die Leute kommen auf die Seite und tragen nur ihre E-Mail-Adresse ein. Dann landen sie sofort im Webseiten-Konfigurator. Dort sagen oder diktieren sie, was sie wollen. Und dann sehen sie so schnell wie möglich ihre fertig programmierte Webseite.
Es sollen einfache Handwerker-Webseiten sein, mit einer schnellen Technik, zum Beispiel HTML und CSS. Jeder Handwerker bekommt ein schönes Design in der Richtung, die er beschreibt. Wahrscheinlich brauchen wir dafür einen Skill für Frontend-Design. Bestimmt habe ich noch Dinge nicht bedacht.
Das Ganze ist ein Experiment. Es läuft auf einer Unterseite meiner Domain und soll die Seite für mein neues Startup werden. Ich zeige gerade in einem Live-Seminar, wie man so etwas baut. Ich möchte mich gleich selbst eintragen und den ganzen Ablauf durchlaufen. Dabei soll wirklich eine Webseite entstehen. Dafür nutzen wir Credits für die Claude-API, damit die Seiten gut aussehen. Wahrscheinlich ist Opus 5.5 auf hoher Stufe am besten.
Wenn den Handwerkern die Seite gefällt, sollen sie sie erst gratis ansehen und durchklicken können. Danach sollen sie die Vollversion kaufen, also mieten können. Für 49 oder 99 Euro im Monat, vielleicht mit einem günstigeren Jahrespreis. Für die Bezahlung nutzen wir Produkte, die wir bei Digistore noch frei haben. Die Leute bestellen dort, und dann wird ihre Seite freigeschaltet.
Denk dir bitte einen Namen aus, der einfach ist und gut zu Handwerkern in Deutschland, Österreich und der Schweiz passt. Vielleicht weiten wir das Geschäft später auf andere Kunden aus. Die Kernidee lautet: Erstelle und verändere deine Webseite per Sprachnachricht. Man soll die Webseite auch danach per Sprachnachricht pflegen und aktualisieren können. Denk an den etwas älteren Handwerker, 50 plus, der kein Technikexperte ist und mit Computern nicht viel zu tun haben möchte. Deshalb soll die Seite einfach aussehen und einfach klingen.
Bilder kannst du mit Nano Banana 2.1 generieren, damit es schön aussieht und nicht nur Text ist. Die Handwerker sollen auch selbst ein paar Bilder generieren können. Die Seite soll sehr schnell laden.
Die Programmierung einer Kundenseite dauert natürlich ein wenig. Schick den Leuten die fertige Webseite deshalb auch per E-Mail, wenn sie sich eintragen. Wer warten will, soll zusehen können, was gerade programmiert wird. Dann sieht man, dass die Seite interaktiv entsteht.
Wenn du noch etwas von mir brauchst, sag Bescheid. Ansonsten leg los.
Die KI tauft das Startup
Den Namen hat die KI selbst ausgesucht: Sagwerk. „Sag“ wie in „sagen“. Ich fand ihn nicht perfekt. Aber er war gut genug, also haben wir ihn genommen. Auch die Teilnehmer hatten Namen vorgeschlagen.
Was die KI gebaut hat
Während die KI arbeitete, habe ich mit den Teilnehmern über viele Inhalte dieses Buchs gesprochen. Zwischendurch habe ich nachgesehen. Die KI erzeugte zuerst Bilder für die Startseite, zum Beispiel zwei Handwerker, die etwas in ihr Handy sprechen. Danach gestaltete sie die Startseite. Die Seite lief nicht nur auf meinem Computer. Sie war sofort online.
Die Startseite begann mit diesen Sätzen: „Ihre Website per Sprachnachricht. Sie erzählen einfach, was Ihr Betrieb macht. Sagwerk baut daraus in wenigen Minuten Ihre fertige Website. Ansehen kostet nichts.“ Am Knopf stand der Hinweis: „Kein Passwort, keine Kreditkarte. Den Link zu Ihrer Website schicken wir Ihnen auch per E-Mail.“
Weiter unten erklärte die Seite den Ablauf in vier Wörtern: „Reinsprechen, zuschauen, ansehen, dann mieten.“ Dazu: „Klicken Sie in Ruhe durch Ihre neue Seite. Gefällt sie Ihnen, schalten Sie sie frei. Vorher zahlen Sie nichts.“ Für spätere Änderungen nannte die Seite ein Beispiel: „Wir machen ab jetzt auch Badsanierung.“
Beim Preis stand: 49 Euro im Monat. Hosting und Sicherheit mit SSL-Verschlüsselung inklusive, fünf Änderungen im Monat per Sprachnachricht, in der Fußzeile der Hinweis „Erstellt mit Sagwerk“. Wer jährlich zahlt, zahlt 490 Euro und bekommt damit zwei Monate geschenkt. Am Ende beantwortete die Seite typische Fragen: „Muss ich mich mit Computern auskennen? Muss ich mich vorbereiten? Was kostet das Ausprobieren?“
Die Seite war schlicht und einfach, genau so, wie ich sie haben wollte. Natürlich kann man noch Feinheiten ändern.
Die KI testet ihre Arbeit selbst
Dann prüfte die KI selbst, ob die Seite auf dem Handy gut aussieht. Danach machte sie einen Testlauf mit meiner eigenen E-Mail-Adresse. Sie trug sich ein und ging den ganzen Ablauf durch, so wie ein Kunde.
Der Kunde kann dabei zusehen, wie seine Webseite geschrieben wird. Ich glaube, das erzeugt einen kleinen, besonderen Moment. Man sieht: Hier entsteht gerade meine eigene Webseite.
Eine Kundenwebseite entsteht
Im Testlauf entstand die Webseite eines Dachdeckerbetriebs: Dachdeckerei Becker, Dachdeckermeister in Gelsenkirchen. „Wir decken, dichten und reparieren Dächer in Gelsenkirchen und Umgebung.“ Dazu Bilder von Vater, Sohn und zwei Gesellen. Eine Anzeige zeigte den Fortschritt, zwischendurch 51 Prozent.
Kurz darauf war die Seite fertig. Sie hatte Knöpfe zum Anrufen und zum Schreiben per WhatsApp. Sie zeigte die Leistungen, zum Beispiel Steildächer und Flachdächer. Es gab Unterseiten wie Dämmung, Dachfenster und „Über uns“, dazu eine Datenschutzerklärung.
Ändern und kaufen
Unter der fertigen Seite kann der Kunde hineinschreiben, was er noch ändern will. Er kann sogar ein Foto hochladen. Dann klickt er auf „Website freischalten“ und wählt zwischen zwei Paketen: „Basis“ und „Rundum“.
Der Link führte direkt zu Digistore24. Der Preis stand dort schon auf 49 Euro netto. Nur der Produktname stammte noch von einem alten Produkt, das die KI umbenennen sollte. Kaufen konnte man trotzdem schon. Als Nächstes stand an, dass Kunden ihre eigene Domain verbinden können. Das ist kein großes Thema.
Die Bilanz
Von der ersten Sprachnachricht bis zur fertigen Kundenwebseite vergingen rund 43 Minuten. In dieser Zeit entstand:
- eine gefundene und geprüfte Idee
- ein Produkt mit Ergebnis vor der Bezahlung: Der Kunde sieht seine Webseite gratis
- ein Verkauf mit Bezahlung, der live geschaltet ist
- eine automatische Lieferung: Die Seite geht sofort online
- ein Flywheel: Jede Gratisseite wirbt für das Produkt
Das Prinzip funktioniert nicht nur für Handwerker. Es ließe sich genauso für Ärzte oder andere Branchen umsetzen.
Das Business kann funktionieren. Jetzt kommt es nur noch darauf an, wie du es vermarktest. Wie die KI auch dabei hilft, zeige ich dir im nächsten Kapitel.