Vor einiger Zeit sagte mir ein Kunde: „Die KI klingt nicht nach mir.“ Ich fragte ihn: „Hast du ihr denn gesagt, wie du klingst?“ Stille. Er hatte ChatGPT genau einen Satz gegeben: „Schreib mir einen guten Social-Media-Beitrag über Meditation.“ Kein Beispiel, kein Ziel, kein Stil. Das Ergebnis war austauschbar.
Genau so nutzen die meisten Unternehmer ChatGPT. Wie eine Suchmaschine. Eine Frage, eine Antwort, Tab zu. Dabei steckt in dem Tool ein digitaler Mitarbeiter. In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich KI im Business einsetze. Mit konkreten Prompts, echten Beispielen und einer klaren Reihenfolge.
Eine Sache vorab. Ich arbeite mit mehreren KI-Tools. Jedes hat eigene Stärken, einen eigenen Stil, eine eigene Art. Die Prinzipien in diesem Artikel gelten für alle, und sie funktionieren mit ChatGPT genauso wie mit Claude oder Gemini. Welche Werkzeuge ich wofür nutze, liest du im Artikel KI-Tools für Selbstständige.
Warum die meisten Unternehmer ChatGPT falsch nutzen
Aus meiner Zeit in der IT kenne ich das EVA-Prinzip. Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe. Es erklärt fast jedes schlechte KI-Ergebnis.
„Schreib mir einen Social-Media-Beitrag“, „Schreib mir einen Social-Media-Plan“ und „Schreib mir eine Social-Media-Strategie“ sind drei verschiedene Eingaben. Du bekommst drei verschiedene Ergebnisse. Die Verarbeitung ist das Modell, das du auswählst. Auch das ändert die Ausgabe. Wenn dir das Ergebnis nicht gefällt, liegt es fast immer an deiner Eingabe oder am falschen Modell.
Der Hebel heißt Kontext. Ein guter Prompt besteht für mich aus vier Teilen:
- Anweisung: Was genau soll ChatGPT tun.
- Ziel: Wofür brauchst du das Ergebnis.
- Positive Beispiele: So soll es aussehen.
- Negativbeispiele: So bitte nicht.
Für den Meditations-Kunden von oben sah die Lösung so aus:
Hier sind drei Texte, die ich selbst geschrieben habe: [Texte einfügen].
Analysiere meinen Stil: Satzlänge, Tonalität, typische Formulierungen.
Hier sind zwei KI-Texte, die mir nicht gefallen: [Texte einfügen].
Erkläre kurz, was der Unterschied ist.
Schreib dann einen Beitrag über [Thema] in meinem Stil.
Ziel: Kommentare und Nachrichten von potenziellen Kunden.
Lieber gibst du zu viele Informationen als zu wenige. ChatGPT kann deine Gedanken nicht lesen. Es kann nur mit dem arbeiten, was du ihm gibst.
Das richtige Modell wählen, Stand August 2026
Seit Juli 2026 läuft ChatGPT auf GPT-5.6. Es gibt drei Varianten. Sol ist das Flaggschiff und denkt tief. Terra ist der Mittelweg für tägliche Aufgaben. Luna arbeitet schnell und günstig, seit dem 6. August 2026 ist sie der Standard in der freien Version.
Bei den Preisen sieht es Stand August 2026 so aus. Die freie Version kostet nichts. Go kostet 8 Dollar, Plus 20 Dollar, Pro gibt es seit April 2026 in zwei Stufen ab 100 Dollar im Monat. Der Business-Plan für Teams liegt bei 25 Dollar pro Nutzer, im Jahresabo bei 20 Dollar.
Meine Regel dazu: Für alles, was Geld bringt oder strategisch wichtig ist, nimm das intelligente Modell, also Sol. Viele lassen aus Gewohnheit das Standardmodell laufen und wundern sich über flache Antworten. Das ist, als würdest du den Praktikanten die Preisstrategie entwickeln lassen. Für schnelle Routineaufgaben reicht Luna völlig.
Meine Anwendungsfälle: So setze ich ChatGPT im Business ein
Marketing: Texte und Bilder, die nach dir klingen
Marketing ist der Bereich, in dem Unternehmer am schnellsten Ergebnisse sehen. Werbetexte, E-Mails, Landingpages, Social-Media-Beiträge. Der Ablauf ist immer gleich. Erst Stil und Zielgruppe als Kontext anlegen, dann produzieren, dann Feedback geben.
Ich lege dafür ein Projekt in ChatGPT an. Dort hinterlege ich Anweisungen, meine Zielgruppe, mein Angebot und Beispieltexte. Jeder neue Chat in diesem Projekt kennt diesen Kontext. Ich muss nicht jedes Mal von vorn anfangen. Auch Bilder für Beiträge und Anzeigen erstelle ich direkt im Tool.
Wie du Texte schreibst, die verkaufen statt nur nett zu klingen, zeige ich dir im Artikel Verkaufstexte schreiben.
Vertrieb: Anfragen qualifizieren statt allen hinterherlaufen
Ein Anwendungsfall aus meinen wöchentlichen Runden mit Unternehmern: Anfragen kommen per E-Mail rein, und niemand weiß, welche davon etwas taugen. Die Lösung ist ein Bewertungs-Prompt mit festen Kriterien.
Hier ist eine Kundenanfrage: [E-Mail einfügen].
Bewerte sie auf einer Skala von 0 bis 10 nach diesen Kriterien:
Budget erkennbar, Problem passt zu meinem Angebot,
Zeitrahmen realistisch, Entscheider schreibt selbst.
Begründe die Bewertung in zwei Sätzen.
Ab 7 Punkten: Formuliere eine persönliche Antwort mit Terminvorschlag.
So arbeitest du zuerst die Anfragen ab, die am wahrscheinlichsten Umsatz bringen. Mehr Strategien dazu findest du unter Kunden gewinnen mit KI.
Content: aus vorhandenem Material neue Produkte machen
Ein Unternehmer aus meinem Umfeld hatte über Jahre Workshops gehalten. Dutzende PowerPoint-Präsentationen, sauber ausgearbeitet, aber ungenutzt. Daraus entsteht jetzt ein Buch. Die KI liest alle Dateien, strukturiert das Material und schlägt eine Gliederung vor.
Der wichtigste Schritt dabei: Sag der KI, wofür du das Ergebnis brauchst. Willst du mit dem Buch Geld verdienen, dich als Experte positionieren oder Leads gewinnen? Je genauer das Ziel, desto besser die Hilfe. Ein Trick, den ich dabei immer nutze:
Bewerte jedes Dokument auf einer Skala von 0 bis 10.
Kriterium: Wie wertvoll ist der Inhalt für [Zielgruppe und Ziel]?
Liste die Top 20 auf und begründe kurz.
So trennt die KI dein bestes Material vom Rest, bevor du auch nur eine Zeile schreibst.
Wissen bündeln: dein zweites Gedächtnis
Ich hatte rund 6.000 Notizen verstreut in verschiedenen Apps und Ordnern. Ideen, Konzepte, halbe Artikel. Vielen Unternehmern geht es genauso, das Wissen liegt in Evernote, Dropbox und alten Ordnern. ChatGPT hilft dir, dieses Wissen zu ordnen und nutzbar zu machen.
Praktisch läuft das über Projekte und die App-Verbindungen. Du verbindest zum Beispiel Google Drive, lädst Dateien hoch und stellst dann Fragen an dein eigenes Material. Für tiefe Recherchen nutze ich Deep Research. Die Funktion recherchiert mehrstufig im Netz, liest Quellen und liefert einen Bericht mit Belegen. Das ersetzt mir viele Stunden Marktrecherche, etwa zu Wettbewerbern oder zur Sprache meiner Zielgruppe.
Verwaltung: Rechnungen, Auswertungen, Angebote
Der unspektakulärste Anwendungsfall spart oft am meisten Zeit. Rechnungen vorsortieren, Kontoauszüge zusammenfassen, Angebote strukturieren, lange Dokumente auf die Kernaussagen eindampfen. Aufgaben, die jede Woche anfallen und keine Kreativität brauchen.
Ein Unternehmer fragte mich neulich, ob er dafür überhaupt KI nutzen darf, wegen der Firmendaten. Meine Antwort weiter unten im Abschnitt zum Datenschutz. Die Kurzfassung: pragmatisch bleiben, anonymisieren, Business-Plan nutzen.
ChatGPT als Denkpartner für Strategie
Das ist der Anwendungsfall, den fast niemand nutzt. Die neuen Modelle beantworten Fragen nicht mehr nur. Sie hinterfragen sie. Drei Prompts, die ich regelmäßig stelle:
Welche Fragen sollte ich dir stellen, die ich dir noch nie gestellt habe?
Wo siehst du blinde Flecken in meinem Business,
die ich selbst nicht sehe?
Was ist finanziell der größte Domino, den ich jetzt
umwerfen könnte, damit alle anderen Schritte einfacher werden?
Als ich diese Fragen zum ersten Mal einem der aktuellen Top-Modelle gestellt habe, war ich baff. Die Antworten gingen über meine Frage hinaus. Das Modell hat meine Annahmen infrage gestellt, wie ein kluger Sparringspartner. Voraussetzung ist auch hier Kontext. Je mehr das Modell über dein Business weiß, desto besser wird das Sparring.
Führe ChatGPT wie einen Mitarbeiter
Früher war ich IT-Projektleiter. Ich habe eine internationale Kampagne in acht Ländern gesteuert, mit 20 bis 40 Menschen gleichzeitig. Jeden Morgen um 9 Uhr saß ich im Meeting. Alle wollten Feedback. Zum Design, zur Plattform, zum Werbefilm. Wenn ich Feedback verschoben habe, stand das Projekt still.
Mit ChatGPT ist es exakt gleich. Die KI liefert schnell. Der Engpass bist du. Drei Dinge machen den Unterschied:
- Klar kommunizieren. Sag präzise, was du willst. Geh nie davon aus, dass die KI es errät. Ich diktiere meine Anweisungen oft, das ist schneller als tippen und liefert automatisch mehr Kontext.
- Richtlinien mitgeben. Sag ChatGPT, woran es ein gutes Ergebnis erkennt. Zum Beispiel: „Prüfe am Ende, ob jeder Absatz eine konkrete Handlung enthält.“ Sonst fragt es dich bei jedem Zwischenschritt.
- Die Feedback-Schleife nutzen. Gefällt dir ein Ergebnis nicht, wirf es nicht weg. Gib es als Negativbeispiel zurück und erkläre, warum es nicht passt. Jede Runde wird besser. Die guten Ergebnisse sammelst du als Positivbeispiele für das nächste Mal.
Wer klar denken und klar formulieren kann, bekommt aus ChatGPT ein Vielfaches heraus. Diese Fähigkeit wird für Unternehmer wichtiger als jedes einzelne Tool.
Automatisiere zuerst, was schon Geld bringt
Der häufigste Fehler, den ich sehe: Unternehmer starten mit spannenden neuen Ideen statt mit dem eigenen Kerngeschäft. Meine Grundregel lautet anders. Automatisiere zuerst die Dinge, die dir schon Geld bringen und viel Zeit fressen.
Der Wochenreport, die Angebotserstellung, die Follow-up-Mails, die Buchhaltungsvorbereitung. Wenn du dort zwei bis fünf Stunden pro Woche gewinnst, investierst du diese Zeit in Verkauf oder neue Angebote. Erst danach lohnt sich das Experimentieren mit Neuem.
Für Automatisierungen, die über den Chat hinausgehen, arbeite ich übrigens im Terminal. Wie das funktioniert, erkläre ich im Artikel Claude Code auf Deutsch. Einen Gesamtüberblick über alle meine KI-Artikel findest du auf der KI-Übersichtsseite.
Datenschutz: pragmatisch statt panisch
Ja, du musst beim Thema Datenschutz aufpassen. Drei Regeln reichen für den Alltag. Gib keine personenbezogenen Kundendaten in die freie Version ein. Anonymisiere Namen, Beträge und Kontonummern, wenn du Dokumente hochlädst. Und nutze für Firmenarbeit den Business-Plan, dort verwendet OpenAI deine Inhalte standardmäßig nicht für das Training.
Genauso wichtig ist mir die Gegenrichtung. Ich erlebe Unternehmer, die aus Datenschutzangst gar nichts machen. Wer konsequent jede Cloud ablehnt, müsste auch Gmail und die eigene Rechnungssoftware hinterfragen. Setz die Risiken in Relation, triff die Grundmaßnahmen und löse Probleme dann, wenn sie wirklich da sind. Verlorene Wettbewerbsfähigkeit ist auch ein Risiko.
Fang mit einer Aufgabe an
ChatGPT für Unternehmer heißt nicht, alles auf einmal umzubauen. Such dir eine Aufgabe aus, die jede Woche anfällt und dich nervt. Gib ChatGPT Kontext, Beispiele und ein klares Ziel. Gib Feedback, bis das Ergebnis sitzt. Dann speichere den Ablauf als Projekt und nimm dir die nächste Aufgabe vor.
Nach ein paar Wochen hast du ein System statt eines Spielzeugs. Wie du darauf ein komplettes Setup für dein Business aufbaust, liest du im Artikel KI für Selbstständige.