Was dieser Rechner macht
Dieser Finanzielle Freiheit Rechner beantwortet zwei Fragen. Wie viel investiertes Kapital brauchst du, damit deine heutigen Lebenskosten rechnerisch aus deinem Vermögen bezahlt werden können? Und erreichst du diese Summe mit deinem aktuellen Depot und deiner Sparrate bis zu deinem Wunschalter?
Ich nenne diese Summe deine Privatier-Zahl. Du siehst sie direkt als größte Zahl im Ergebnis. Der Rechner zeigt dir anschließend, wann dein heutiger Plan diese Zahl erreicht und wie sich ein Szenario mit drei zusätzlichen Hebeln davon unterscheidet.
Direkt danach siehst du zwei Wachstumskurven nebeneinander: deinen heutigen Weg und das Neumann-Privatier-Szenario. Beide Diagramme verwenden dieselbe Zeit- und Kapitalachse. So erkennst du ohne optischen Trick, wann jeder Weg seine jeweilige Privatier-Zahl erreicht. Darunter übersetzt der Rechner den Abstand in gewonnene Jahre und einen finanziellen Vergleichswert für diese Zeit.
So berechnet der Rechner deine Privatier-Zahl
Ich gehe das voreingestellte Beispiel Schritt für Schritt durch. Du gibst 3.000 € monatliche Lebenskosten und 4.000 € monatliches Nettoeinkommen ein. Du bist heute 40 Jahre alt und willst mit 55 Privatier sein. Heute liegen 50.000 € investiert an der Börse. Jeden Monat kommen 1.000 € dazu.
Schritt 1: Jahresausgaben berechnen. 3.000 € mal 12 Monate ergeben 36.000 € pro Jahr. Gemeint ist der Betrag, den du nach Steuern zum Leben brauchst. Miete, Versicherungen, Lebensmittel, Reisen und Freizeit gehören dazu. Ein Kredit, der bis zu deinem Wunschalter sicher getilgt ist, gehört ab diesem Zeitpunkt nicht mehr hinein.
Schritt 2: Die Privatier-Zahl berechnen. 36.000 € mal 25 ergeben 900.000 €. Wenn du davon im ersten Jahr 4 % entnimmst, stehen rechnerisch wieder 36.000 € zur Verfügung. Genau deshalb sind die Faktoren 25 und 4 % zwei Seiten derselben Rechnung.
Schritt 3: Dein Depot bis zum Wunschalter hochrechnen. Von 40 bis 55 bleiben 15 Jahre oder 180 Monate. Der Rechner verzinst die vorhandenen 50.000 € und jede neue Monatsrate mit einer festen Modellrendite von 7 % pro Jahr. Aus 7 % pro Jahr werden geometrisch rund 0,5654 % pro Monat. Die 1.000 € werden jeweils am Monatsende investiert.
Mit diesen Eingaben stehen im Alter von 55 Jahren rechnerisch 449.056,34 € im Depot. Bis zur Privatier-Zahl von 900.000 € fehlen 450.943,66 €. Der Fortschrittsbalken zeigt deshalb knapp 49,9 % des Zielkapitals.
Schritt 4: Den tatsächlichen Zeitpunkt suchen. Der Rechner läuft Monat für Monat weiter, bis das Depot die Privatier-Zahl zum ersten Mal erreicht. Im Beispiel geschieht das voraussichtlich mit 63,1 Jahren. Das sind gut acht Jahre später als gewünscht.
Schritt 5: Die nötige Sparrate zurückrechnen. Damit die 900.000 € schon mit 55 erreicht werden, wären unter denselben Annahmen 2.449,49 € pro Monat nötig. Dieser Betrag ist keine Aufforderung, sofort so viel zu investieren. Er zeigt dir die Größenordnung der Lücke zwischen deinem Wunsch und deinem heutigen Plan.
Woher der Faktor 25 kommt
Der Faktor 25 folgt aus der bekannten 4-Prozent-Regel. Der US-Finanzplaner William Bengen untersuchte historische Aktien- und Anleiherenditen und suchte eine anfängliche Entnahmerate, die auch in ungünstigen historischen Ruhestandszeiträumen getragen hätte. Seine ursprüngliche Arbeit erschien 1994 unter dem Titel Determining Withdrawal Rates Using Historical Data.
Die Regel bedeutet nicht, dass jedes reine Aktien-ETF-Depot für immer 4 % pro Jahr auszahlt. Die Untersuchung arbeitete mit historischen US-Daten, verschiedenen Mischungen aus Aktien und Anleihen und einem begrenzten Ruhestandszeitraum. Ein früher Privatier braucht das Geld möglicherweise 40 oder 50 Jahre. Schlechte Börsenjahre direkt nach dem Ausstieg können den Plan zusätzlich belasten.
Ich verwende den Faktor trotzdem, weil er eine klare erste Zielzahl liefert. Aus einem vagen Wunsch wird ein Betrag. Für die eigentliche Entnahme solltest du danach mit dem Entnahmeplan-Rechner verschiedene Laufzeiten, Renditen und Inflationsannahmen prüfen.
Die feste Renditeannahme von 7 %
Der Rechner setzt 7 % Rendite pro Jahr fest. Das hält die Eingabe einfach und macht Ergebnisse zwischen mehreren Teilnehmern im Seminar vergleichbar. Gemeint ist eine langfristige Modellannahme für ein breit gestreutes Aktienportfolio. Es ist keine Vorhersage für das nächste Jahr und keine Garantie für deine persönliche Rendite.
Die Realität verläuft ungleichmäßig. Auf ein sehr gutes Börsenjahr kann ein deutlicher Verlust folgen. Entscheidend ist außerdem die Reihenfolge der Renditen. Während des Vermögensaufbaus kann ein Rückgang bei laufender Sparrate sogar günstigere Einstiegskurse bringen. Direkt nach Beginn der Entnahme ist derselbe Rückgang gefährlicher, weil du gleichzeitig Anteile verkaufen musst.
Prüfe deshalb zusätzlich eine vorsichtigere Variante. Im ETF-Sparplanrechner kannst du verschiedene Renditen und Kosten durchspielen. Der Millionär-Rechner zeigt dir außerdem, wie stark sich ein anderes Zielkapital auf das Datum auswirkt.
Was das Neumann-Privatier-System im Rechner verändert
Der Vergleich setzt nicht einfach für dein gesamtes Depot 50 % Rendite an. Das würde eine spektakuläre Zahl erzeugen, aber keinen brauchbaren Plan. Stattdessen bildet er drei getrennte Hebel ab.
Hebel 1: 20 % niedrigere Monatskosten als Optimierungsziel. Aus 3.000 € werden im Szenario 2.400 €. Damit sinkt die Privatier-Zahl von 900.000 € auf 720.000 €. Der Rechner behauptet damit nicht, dass jeder Mensch pauschal genau 20 % spart. Er zeigt, wie stark eine solche Optimierung wirken würde. Ob sie für dich ohne Einschränkung der Lebensqualität erreichbar ist, muss anhand deiner echten Verträge und Ausgaben geprüft werden.
Hebel 2: Zusätzliches Einkommen als Zielannahme. Das Szenario nimmt 20 % deines heutigen Nettoeinkommens, mindestens jedoch 500 € pro Monat. Bei 4.000 € Nettoeinkommen sind das 800 €. Die 600 € Kostenersparnis und die 800 € zusätzliches Einkommen werden vollständig zur heutigen Sparrate addiert. Aus 1.000 € werden im Modell damit 2.400 € pro Monat. Der Rechner behauptet nicht, dass dieser Betrag ohne konkreten Plan automatisch entsteht.
Hebel 3: 20 % als Moonshot-Baustein. Der Rechner teilt dein heutiges Depot und die modellierte künftige Sparrate auf. 80 % wachsen weiter mit der festen 7-%-Annahme. 20 % fließen in einen konzentrierten Chancenbaustein aus möglichen Wachstumsaktien. Diese beiden Töpfe werden in der einfachen Rechnung nicht laufend zurück auf 80 zu 20 umgeschichtet.
Die Moonshot-Rendite ist im Vergleich fest mit 50 % pro Jahr modelliert. Sie erscheint bewusst nicht als Eingabefeld. Dadurch bleibt die Auswertung im Seminar einfach und niemand kann sich das Ergebnis mit einer beliebig hohen Prozentzahl schönrechnen. Wichtig ist die Bezeichnung: Das ist eine Szenarioannahme, keine erwartete oder garantierte Rendite.
Warum diese Trennung wichtig ist: Je höher die mögliche Rendite, desto höher ist grundsätzlich auch das Risiko. Darauf weist auch die US-Anlegerbehörde Investor.gov in ihrer Erklärung zu Risiko und Rendite hin. FINRA beschreibt bei konzentrierten Positionen zusätzlich das Risiko verstärkter Verluste, wenn ein großer Anteil in einer einzelnen Aktie, Branche oder einem Marktsegment liegt.
Auch die historische Verteilung einzelner Aktien ist extrem ungleich. Hendrik Bessembinder zeigt in seiner Untersuchung Do Stocks Outperform Treasury Bills?, dass ein sehr kleiner Anteil der Aktien einen großen Teil der langfristigen Vermögensbildung des gesamten US-Aktienmarktes erklärt. Genau darin liegt die Chance von Moonshots. Es zeigt aber gleichzeitig, warum die Auswahl nicht automatisch funktioniert.
Deshalb zeigt der Rechner die starke Variante und nennt ihre Bedingungen offen. Wenn dort steht „Unter diesen Annahmen: Ziel erreicht“, bedeutet das exakt diesen Satz. Es bedeutet nicht „Dieses Ergebnis tritt sicher ein“.
So liest du die zwei Wachstumskurven
Links siehst du deinen heutigen Plan. Im Standardbeispiel liegt die Privatier-Zahl bei 900.000 €. Mit 50.000 € Startkapital und 1.000 € monatlicher Sparrate wird sie rechnerisch mit 63,1 Jahren erreicht. Das Wunschalter 55 ist deshalb klar als verfehlt markiert.
Rechts siehst du das Neumann-Privatier-Szenario. Seine Privatier-Zahl liegt durch das 20-%-Optimierungsziel bei 720.000 €. Gleichzeitig modelliert die Kurve die höhere Sparrate und den begrenzten Chancenbaustein. Im Standardbeispiel wird die kleinere Zielzahl rechnerisch mit 47,3 Jahren erreicht. Das sind rund 15,8 Jahre früher als im heutigen Plan.
Entscheidend ist, dass beide Charts dieselben Achsen verwenden. Eine steilere Kurve darf nicht nur deshalb spektakulärer aussehen, weil ihr Maßstab anders gewählt wurde. Die gestrichelte Linie zeigt in jeder Karte das jeweilige Zielkapital. Der Punkt auf der Linie markiert den ersten Monat, in dem das Szenario diese Summe erreicht.
Was zurückgekaufte Lebenszeit finanziell bedeutet
Jahre sind emotional stark, aber als Zahl zunächst abstrakt. Deshalb berechnet der Rechner zusätzlich einen Ausgabenwert der gewonnenen Zeit. Die Formel ist bewusst einfach:
Gewonnene freie Monate mal heutige Monatsausgaben.
Im Standardbeispiel liegen zwischen 63,1 und 47,3 Jahren genau 189 Monate. 189 Monate mal 3.000 € ergeben 567.000 €. Diese Summe sagt nicht, dass dir das System zusätzlich 567.000 € überweist. Sie sagt auch nicht, dass ein Lebensjahr einen objektiven Preis hat. Sie übersetzt nur die Zeitspanne in den Betrag, den dein heutiges Leben während dieser Monate kostet.
Der wichtigere Wert bleibt persönlich: Was wäre es dir wert, 15,8 Jahre früher Privatier zu sein und jeden Tag selbst zu entscheiden, was du tust? Genau diese Frage soll der Rechner stellen. Kapital ist hier nicht das Endziel. Es ist das Werkzeug, mit dem du dir Entscheidungsfreiheit über deine Zeit kaufst.
Was die einfache Rechnung bewusst nicht enthält
Inflation fehlt. Deine heutigen 3.000 € kaufen in 15 oder 25 Jahren voraussichtlich weniger. Der Rechner erhöht deine Privatier-Zahl nicht automatisch. Dadurch wirkt das Ergebnis günstiger, als es in heutiger Kaufkraft sein kann. Aktualisiere deine Lebenskosten mindestens einmal im Jahr und rechne erneut.
Steuern fehlen. Die 7 % werden brutto angesetzt. Beim Verkauf von ETF-Anteilen kann Steuer auf den Gewinnanteil entstehen. Wie groß der Unterschied für deine Situation ist, kannst du mit dem Abgeltungssteuer-Rechner prüfen.
Kosten fehlen. Fondskosten, Depotkosten und mögliche Beratungskosten mindern die Rendite. Schon kleine jährliche Unterschiede wirken über viele Jahre.
Weitere Einkünfte im Privatieralter fehlen. Eine gesetzliche Rente, eine Betriebsrente oder sichere Mieteinnahmen können später einen Teil deiner Lebenskosten decken. Wenn du solche Beträge vorsichtig einbeziehen willst, ziehst du nur den sicher verfügbaren Nettobetrag von deinen monatlichen Ausgaben ab. Rechne dabei lieber mit einem Puffer.
Dein Leben verändert sich. Wohnkosten, Familie, Gesundheit und gewünschter Lebensstil bleiben selten über Jahrzehnte gleich. Ein Rechner ist deshalb kein einmaliger Bescheid. Er ist ein regelmäßiger Realitätscheck.
So nutzt du das Ergebnis sinnvoll
Die wichtigste Zeile ist nicht die höchste angenommene Rendite. Es ist der Abstand zwischen deinem Wunschalter und dem Alter, das dein heutiger Plan ergibt. Im Standardbeispiel stehen dort gut acht Jahre. Diese Zeitlücke erzeugt Klarheit.
Danach prüfst du die Hebel einzeln. Erhöhe zuerst testweise die Sparrate. Prüfe danach konkrete Ausgaben, die sich ohne Verlust an Lebensqualität optimieren lassen. Verschiebe als dritte Variante das Wunschalter. Betrachte den Systemvergleich als ambitioniertes Szenario, nicht als versprochenen Fahrplan. Eine starke Modellkurve macht deinen echten Plan erst dann besser, wenn die zugrunde liegenden Schritte zu deiner Situation, deiner Risikotoleranz und deinem tatsächlichen Verhalten passen.
Speichere deine sechs Werte und rechne in sechs oder zwölf Monaten erneut. Ist dein Depot stärker gewachsen als geplant, entsteht ein Puffer. Liegt es zurück, erkennst du die Abweichung früh. Genau dafür ist der Rechner gedacht. Er soll dir keine Sicherheit vorspielen. Er soll dir zeigen, ob dein heutiger Weg zu deinem gewünschten Leben passt.