Womit Alphabet sein Geld verdient
Alphabet ist die Muttergesellschaft von Google. Wer nach der „Google Aktie“ sucht, findet deshalb die Alphabet Aktie. Das Fundament ist Werbung. Anzeigen in der Google-Suche, auf YouTube und im Werbenetzwerk für Partnerseiten liefern den größten Teil des Umsatzes.
Drei weitere Bereiche ergänzen das Geschäft. Abos, Plattformen und Geräte umfassen YouTube Premium, Google One, den Play Store und die Pixel-Hardware. Google Cloud vermietet Rechenleistung, Speicher und KI-Dienste an Unternehmen. Unter „Other Bets“ sammelt Alphabet Zukunftsprojekte wie das Robotaxi-Unternehmen Waymo. Diese Projekte erzielen bisher wenig Umsatz und schreiben Verluste. Werbung dominiert also, die Cloud wächst am schnellsten, der Rest bleibt Beiwerk.
Eine Firma, zwei Ticker: GOOGL und GOOG
Alphabet notiert mit zwei handelbaren Aktienklassen. Die A-Aktie trägt das Symbol GOOGL und gewährt eine Stimme je Aktie. Die C-Aktie trägt das Symbol GOOG und hat kein Stimmrecht. Zusätzlich existiert eine nicht börsennotierte B-Aktie mit zehn Stimmen je Aktie. Sie liegt fast vollständig bei den Gründern Larry Page und Sergey Brin, die dadurch die Mehrheit aller Stimmrechte kontrollieren.
Für dich als Privatanleger ist der Unterschied klein. Beide Klassen verbriefen denselben Anteil am Gewinn und erhalten dieselbe Dividende. Wegen der Gründerkontrolle hat das Stimmrecht der A-Aktie wenig praktisches Gewicht. Die Kurse beider Gattungen laufen deshalb fast parallel.
Warum ich mir Alphabet genauer angesehen habe
Kaum ein Unternehmen vereint Chance und Risiko der künstlichen Intelligenz so direkt. Alphabet verkauft über die Cloud KI-Infrastruktur und eigene Chips. Gleichzeitig verändert KI die Websuche, also die Basis des Werbegeschäfts. Dieselbe Technologie treibt das Wachstum und stellt zugleich das alte Modell infrage.
Bei so einer Lage trenne ich den Kurs vom Geschäft. Bleiben Nutzer und Werbekunden bei Google, wenn KI-Antworten die Suche umbauen? Verdient die Cloud das Geld, das die Chip-Investitionen kosten? Solche Fragen beantworten Quartalszahlen zuverlässiger als Schlagzeilen.
KI als Chance: Gemini, Cloud und eigene Chips
Alphabet gehört zu den wenigen Unternehmen mit einem kompletten KI-Stapel. Der Konzern entwickelt die Gemini-Modelle, betreibt eigene Rechenzentren und baut mit den TPUs eigene KI-Chips. Laut Zahlen zum zweiten Quartal 2026 nutzen 950 Millionen Menschen pro Monat die Gemini-App. Fast 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen setzen Gemini Enterprise ein.
Die Chips sind ein eigener Hebel. Seit April 2026 ist die siebte TPU-Generation Ironwood allgemein verfügbar. Google positioniert sie für die Inferenz, also den laufenden Betrieb fertiger KI-Modelle. Prominentester Kunde ist Anthropic mit Zugriff auf bis zu eine Million TPU-Chips. Die achte Generation ist bereits angekündigt, getrennt in einen Trainings- und einen Inferenz-Chip. Damit konkurriert Alphabet auch als Chip-Anbieter um die KI-Budgets großer Kunden.
KI als Risiko für das Werbegeschäft
Die Websuche finanziert den Konzern. Genau dort greift die KI ein. KI-Übersichten und der KI-Modus beantworten Fragen direkt auf der Ergebnisseite. Nutzer klicken dann seltener auf Websites und womöglich seltener auf Anzeigen. Kritiker fragen deshalb, ob sich KI-Antworten so gut monetarisieren lassen wie klassische Suchergebnisse.
Bisher zeigt sich der Bruch nicht in den Zahlen. Der Suchumsatz wuchs zuletzt zweistellig, und Google platziert Anzeigen inzwischen auch in KI-Antworten. Offen bleibt, ob die Margen dieser neuen Formate an das alte Niveau heranreichen. Diese Frage begleitet die Alphabet Aktie auf Jahre.
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026
Im Juli 2026 legte Alphabet ein starkes Quartal vor. Der Konzernumsatz stieg um 24 Prozent auf 119,8 Milliarden US-Dollar. Die Google-Suche wuchs laut Auswertung der Quartalszahlen um 17 Prozent auf rund 63 Milliarden US-Dollar. YouTube-Werbung legte um 13 Prozent auf 11,06 Milliarden US-Dollar zu. Google Cloud sprang um 82 Prozent auf 24,77 Milliarden US-Dollar. Abos, Plattformen und Geräte erreichten 12,91 Milliarden US-Dollar. Other Bets kam auf 382 Millionen US-Dollar Umsatz bei 1,8 Milliarden US-Dollar Verlust.
Der operative Gewinn stieg um 30 Prozent auf 40,77 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge verbesserte sich von 32 auf 34 Prozent. Der ausgewiesene Nettogewinn von 112,1 Milliarden US-Dollar täuscht dagegen. Darin stecken 98,0 Milliarden US-Dollar nicht realisierte Bewertungsgewinne auf Beteiligungen. Solche Buchgewinne sagen wenig über das Tagesgeschäft.
Auffällig sind die Investitionen. Allein im Quartal flossen 44,9 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und Chips. Für das Gesamtjahr hob Alphabet den Rahmen auf 195 bis 205 Milliarden US-Dollar an. Der Kurs gab nach den Zahlen zunächst nach. Zudem zahlt Alphabet eine Dividende, seit April 2026 sind es 0,22 US-Dollar je Aktie und Quartal.
Wo die Kartellverfahren stehen
Zwei große US-Verfahren begleiten die Aktie. Im Suchverfahren steht fest, dass Google ein illegales Monopol gehalten hat. Das Gericht verzichtete auf einen Zwangsverkauf des Chrome-Browsers. Stattdessen gelten Auflagen wie das Verbot exklusiver Standardverträge und Pflichten zur Datenteilung. Google hat Berufung eingelegt. Auch das Justizministerium ficht die Entscheidung an, weil ihm die Auflagen nicht weit genug gehen.
Das zweite Verfahren betrifft die Werbetechnik. Ein Gericht in Virginia sah es 2025 als erwiesen an, dass Google zwei Ad-Tech-Märkte illegal monopolisiert hat. Die Behörden fordern den Verkauf der Anzeigenbörse AdX. Google bietet Verhaltensauflagen an. Eine endgültige Anordnung stand Mitte 2026 noch aus. Nach jeder Entscheidung sind weitere Berufungen wahrscheinlich. Solche Verfahren ziehen sich über Jahre und bleiben ein Bewertungsfaktor.
Drei Fragen vor einem möglichen Kauf
Zuerst prüfe ich das Geschäft. Wachsen Suche, YouTube und Cloud gleichzeitig, oder trägt nur eine Sparte das Ergebnis? Ebenso zählt, ob die Marge trotz der hohen KI-Investitionen stabil bleibt. Mehrere Quartale im Vergleich sagen mehr als eine einzelne Meldung.
Danach kommt der Trend. Auch ein starkes Unternehmen kann eine schwache Aktie sein, wenn zu viel Optimismus eingepreist war. Ich schaue deshalb, ob der Kurs über seinen langfristigen gleitenden Durchschnitten notiert und wohin diese Linien zeigen. Das ersetzt keine Bewertung, ordnet aber die Ausgangslage ein.
Zuletzt das Momentum. Nach starken Bewegungen hilft der Relative Strength Index bei der Frage, ob eine Phase überhitzt oder ausgewaschen ist. Erst Geschäft, dann Trend, dann Momentum. So entsteht eine Einschätzung mit Kontext statt Bauchgefühl.
Die wichtigsten Risiken
KI kann das Suchverhalten verschieben. Wenn Chatbots zur ersten Anlaufstelle im Netz werden, wandern Aufmerksamkeit und Klicks. Alphabet muss beweisen, dass KI-Suche genauso viel Werbegeld einsammelt wie die klassische Ergebnisliste.
Die Kartellverfahren bleiben offen. Auflagen im Suchgeschäft und ein möglicher Zwangsverkauf in der Werbetechnik können das Geschäftsmodell verändern. Der Ausgang ist über Jahre unsicher und schwer zu bewerten.
Die Investitionen sind gewaltig. Bis zu 205 Milliarden US-Dollar in einem Jahr erhöhen die Abschreibungen und binden Kapital. Bleibt die KI-Nachfrage hinter den Erwartungen zurück, stehen teure Rechenzentren schlecht ausgelastet da.
Der Wettbewerb um KI ist hart. OpenAI, Microsoft und Meta kämpfen um Nutzer, Entwickler und Rechenleistung. Technologische Führung kann in diesem Feld schneller wechseln als in klassischen Märkten.
Werbung hängt an der Konjunktur. Der Großteil des Umsatzes stammt aus Anzeigen. In einer Abschwächung kürzen Unternehmen ihre Werbebudgets oft zuerst. Das trifft Umsatz und Marge gleichzeitig.
Mein Fazit zur Alphabet Aktie
Alphabet steht robuster da, als die Debatte über das Ende der Websuche vermuten lässt. Suche, YouTube und Cloud wachsen, die Marge steigt, und mit Gemini und den TPUs besitzt der Konzern eigene KI-Bausteine. Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 stützen dieses Bild.
Offen bleiben drei Punkte: die Monetarisierung der KI-Suche, der Ausgang der Kartellverfahren und die Rendite der gewaltigen Investitionen. Wer die Aktie beurteilt, sollte diese Fragen regelmäßig neu prüfen, statt sich auf eine einmalige Einschätzung zu verlassen.
Eine Kaufempfehlung ist das nicht. Die Analyse liefert dir den Rahmen: erst das Geschäft, dann der Trend, dann das Momentum. Mit diesem Dreiklang bewertest du die Alphabet Aktie nach denselben Maßstäben wie jede andere Position.