Drei Segmente tragen den Konzern
Microsoft ist ein Softwarekonzern aus Redmond im US-Bundesstaat Washington. Das Unternehmen berichtet seine Zahlen in drei Segmenten. „Productivity and Business Processes“ bündelt Microsoft 365 mit Word, Excel und Teams, dazu LinkedIn und die Unternehmenssoftware Dynamics. „Intelligent Cloud“ enthält die Cloud-Plattform Azure, klassische Serverprodukte und die Entwicklerplattform GitHub. „More Personal Computing“ umfasst Windows, Geräte, die Xbox-Sparte und das Werbegeschäft rund um die Suchmaschine Bing.
Das Geschäftsjahr von Microsoft endet im Juni. Das Geschäftsjahr 2026 lief also von Juli 2025 bis Juni 2026. Im Schlussquartal zeigte sich die Gewichtung der drei Bereiche deutlich. Laut der Ergebnismitteilung zum vierten Quartal erlöste Productivity and Business Processes 37,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 14 Prozent. Intelligent Cloud wuchs um 32 Prozent auf 39,3 Milliarden. More Personal Computing ging um 4 Prozent auf 12,9 Milliarden zurück.
Für dich als Anleger bedeutet das: Microsoft ist längst kein reiner Windows-Konzern mehr. Der Kurs hängt heute vor allem an Azure, an den Abo-Erlösen mit Microsoft 365 und an der Frage, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen auszahlen.
Das Geschäftsjahr 2026 in Zahlen
Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Microsoft 331,8 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 18 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 21 Prozent auf 155,2 Milliarden. Der Nettogewinn kletterte um 31 Prozent auf 133,7 Milliarden. Je Aktie verdiente Microsoft 17,95 US-Dollar.
Ein Teil dieses Gewinnsprungs ist ein Sondereffekt. Bewertungsgewinne aus der OpenAI-Beteiligung steuerten rund 5 Milliarden US-Dollar zum Nettogewinn bei. Solche Posten haben mit dem operativen Geschäft wenig zu tun. Wenn du Geschäftsjahre vergleichst, solltest du sie gedanklich herausrechnen.
Der wichtigste Einzelposten bleibt Azure. Die Cloud-Plattform überschritt im Geschäftsjahr 2026 erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Im Schlussquartal wuchs Azure um 43 Prozent. Nach Angaben des Managements übersteigt die Nachfrage weiterhin die verfügbare Rechenkapazität. Die Börse honorierte das: Nach den Zahlen legte die Aktie laut CNBC zeitweise 8 Prozent zu.
KI-Strategie: Copilot, OpenAI und eigene Chips
Microsoft verdient auf mehreren Ebenen an künstlicher Intelligenz. Die sichtbarste Ebene ist Copilot, der KI-Assistent in Windows und Microsoft 365. Die bezahlte Unternehmensversion erreichte laut Ergebnismitteilung mehr als 30 Millionen Lizenzen. Jede Lizenz kostet zusätzlich zum normalen Microsoft-365-Abo. Copilot macht aus dem Bestandsgeschäft also eine zweite Erlösquelle.
Die zweite Ebene ist die Partnerschaft mit OpenAI. Im Oktober 2025 haben beide Unternehmen ihren Vertrag neu geordnet. Laut dem Microsoft-Blog hält Microsoft seitdem rund 27 Prozent an der OpenAI Group, bewertet mit etwa 135 Milliarden US-Dollar. OpenAI verpflichtete sich im Gegenzug, Azure-Leistungen im Umfang von 250 Milliarden US-Dollar einzukaufen. Microsoft darf die Modelle von OpenAI bis 2032 in eigenen Produkten nutzen. Exklusiv ist die Beziehung aber nicht mehr. OpenAI darf Rechenleistung inzwischen auch bei anderen Anbietern beziehen.
Die dritte Ebene ist der eigene Unterbau. Der neue Vertrag erlaubt Microsoft, unter KI-Chef Mustafa Suleyman eigenständig an Spitzenmodellen zu forschen. Auf der Entwicklerkonferenz Build stellte der Konzern im Juni 2026 sieben eigene MAI-Modelle vor, unter anderem für logisches Denken, Programmieren, Bilder und Sprache. Dazu kommt eigene Hardware: Der KI-Chip Maia 200 läuft laut CNBC bereits in Microsoft-Rechenzentren und soll die Abhängigkeit von Nvidia verringern.
Diese Strategie kostet enorm viel Geld. Allein im Schlussquartal investierte Microsoft 41 Milliarden US-Dollar in Sachanlagen, 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das Kalenderjahr 2026 plant der Konzern Investitionen von rund 175 Milliarden US-Dollar, vor allem für Rechenzentren.
Dividende und Aktienrückkäufe
Microsoft zahlt viermal im Jahr eine Dividende. Aktuell sind es 0,91 US-Dollar je Aktie und Quartal, die nächste Zahlung folgt am 10. September 2026. Aufs Jahr gerechnet ergibt das 3,64 US-Dollar je Aktie. Gemessen am Kurs lag die Dividendenrendite Ende Juli 2026 laut Aktienfinder bei rund 0,8 Prozent.
Die niedrige Rendite erzählt nur einen Teil der Geschichte. Microsoft erhöht die Ausschüttung seit vielen Jahren regelmäßig und kauft zusätzlich eigene Aktien zurück. Im Schlussquartal flossen insgesamt 10,2 Milliarden US-Dollar über Dividenden und Rückkäufe an die Aktionäre. Für dich als Anleger in Deutschland gilt: Auf US-Dividenden fällt Quellensteuer an, den Rest regelt die Abgeltungssteuer.
Welche Risiken du kennen solltest
Die Investitionen müssen sich erst verzinsen. Rund 175 Milliarden US-Dollar Investitionen in einem Kalenderjahr erzeugen hohe Abschreibungen über viele Jahre. Bleibt die KI-Nachfrage hinter den Erwartungen zurück, stehen teure Rechenzentren mit schwacher Auslastung in den Büchern. Genau diese Sorge belastete den Kurs in den vergangenen Quartalen immer wieder.
Der Cloud-Markt bleibt hart umkämpft. Mit Amazon Web Services und Google Cloud konkurrieren zwei finanzstarke Rivalen um dieselben Kunden. Alle drei bauen massiv Kapazität auf. Das kann langfristig auf Preise und Margen drücken. Auch OpenAI ist seit dem neuen Vertrag freier und tritt in Teilbereichen selbst als Wettbewerber auf.
Regulierer schauen genauer hin. In der EU akzeptierte die Kommission im September 2025 verbindliche Zusagen, mit denen Microsoft die Software Teams vom Office-Paket entkoppelt. In den USA untersucht die FTC laut The Register die Lizenzbedingungen in der Cloud und die Bündelung von KI-Produkten. Solche Verfahren laufen über Jahre und können Auflagen oder Strafen nach sich ziehen.
Die Bewertung verzeiht wenig. Anfang August 2026 lag der Börsenwert laut Stock Analysis bei rund 3,7 Billionen US-Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp 28. Zeitweise hatte der Wert sogar die Marke von 4 Billionen überschritten. Ein solcher Preis setzt voraus, dass Cloud und KI viele Jahre kräftig weiterwachsen. Schon eine leichte Enttäuschung bei Azure kann dann deutliche Kursbewegungen auslösen.
Die OpenAI-Beteiligung schwankt mit. Die Bewertungsgewinne von rund 5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 können sich in schwachen Phasen umkehren. OpenAI ist für Microsoft zugleich Beteiligung, Großkunde und Konkurrent. Diese Mischung macht die Ergebnisrechnung schwerer lesbar.
Wie ich die Aktie einordne
Rekordzahlen und Kursdruck schließen sich nicht aus. Microsoft lieferte ein starkes Geschäftsjahr, trotzdem notierte der Börsenwert im August 2026 unter seinem Hoch. Der Grund liegt selten im Geschäft selbst. Meist ändern sich nur die Erwartungen an die Zukunft. Deshalb trenne ich beide Ebenen konsequent.
Ich prüfe zuerst das Geschäft. Wächst Azure weiter mit hohem Tempo, und halten die Margen trotz der Investitionen? Danach schaue ich auf den langfristigen Trend. Notiert der Kurs über seinen steigenden gleitenden Durchschnitten, handle ich mit dem Markt statt gegen ihn. Zuletzt prüfe ich das kurzfristige Momentum, etwa mit dem Relative Strength Index. Keiner dieser Punkte ist für sich ein Signal. Zusammen ergeben sie aber eine Reihenfolge, die vor überhasteten Entscheidungen schützt.
Mein Fazit zur Microsoft Aktie
Microsoft verbindet ein breites, margenstarkes Softwaregeschäft mit der größten Investitionswette der Firmengeschichte. Azure liefert über 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, Copilot verwandelt Bestandskunden in zusätzliche Erlöse, und mit eigenen Modellen und Chips verringert der Konzern seine Abhängigkeiten. Das ist die Stärke dieser Aktie.
Die offene Frage lautet: Verdienen die Rechenzentren das investierte Kapital zurück? Rund 175 Milliarden US-Dollar in einem Jahr sind eine Ansage, die sich erst in künftigen Gewinnen beweisen muss. Dazu kommen Wettbewerb, Kartellverfahren und eine Bewertung, die anhaltendes Wachstum voraussetzt.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist diese Analyse nicht. Sie liefert dir die Fakten, an denen du die Aktie messen kannst. Prüfe das Geschäft, den Trend und dein eigenes Depot. Erst danach ergibt eine Entscheidung Sinn.