Womit Broadcom sein Geld verdient
Broadcom ist ein Technologiekonzern aus den USA mit zwei Standbeinen. Das erste Standbein sind Halbleiter. Dazu gehören Chips für Netzwerke, Breitband, Funkverbindungen und Datenspeicher. Das zweite Standbein ist Infrastruktursoftware. Den größten Teil davon bildet VMware, ein Anbieter für die Virtualisierung von Rechenzentren.
Für das KI-Geschäft zählen vor allem zwei Produktgruppen. Die erste Gruppe sind Custom-Chips, im Branchenjargon „XPUs“. Große Cloud- und KI-Konzerne lassen bei Broadcom eigene Beschleuniger entwickeln. Diese Chips sind genau auf die Rechenlast eines einzelnen Kunden zugeschnitten. Sie ergänzen oder ersetzen Grafikprozessoren von Nvidia. Die zweite Gruppe ist Netzwerktechnik. Ethernet-Chips von Broadcom verbinden zehntausende Beschleuniger zu einem einzigen Rechenverbund.
Die Größenordnung zeigt der jüngste Quartalsbericht. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 3. Mai 2026 endete, setzte Broadcom laut offizieller Pressemitteilung 22,2 Milliarden Dollar um. Davon stammten 15,0 Milliarden Dollar aus Halbleitern und 7,2 Milliarden Dollar aus Software.
Warum ich mir Broadcom genauer angesehen habe
Wer über KI-Aktien spricht, nennt meist zuerst Nvidia. Broadcom steckt in denselben Rechenzentren, steht aber seltener im Rampenlicht. Genau diese zweite Reihe sehe ich mir gern an. Dort sitzen oft Firmen, die an einem Engpass verdienen, ohne das bekannteste Produkt zu liefern.
Dazu kommt eine Besonderheit. Broadcom ist kein reiner Chipentwickler. Der Konzern kauft seit Jahren Softwarefirmen und trimmt sie auf Gewinn. Wer die Aktie beurteilen will, muss deshalb zwei sehr verschiedene Geschäfte verstehen. Ein schnelles Urteil nach einer Schlagzeile greift hier zu kurz.
Ich trenne bei jeder Analyse den Kurs vom Geschäft. Ein steigender Kurs beweist keine gute Firma. Ein fallender Kurs beweist keine schlechte. Zuerst zählen Produkte, Kunden, Zahlen und Risiken. Erst danach schaue ich auf den Chart.
Custom-Chips und Netzwerktechnik treiben das Wachstum
Das Geschäftsjahr 2025 endete am 2. November 2025. Broadcom meldete dafür laut Jahresmitteilung 63,9 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 24 Prozent. Der Nettogewinn nach GAAP lag bei 23,1 Milliarden Dollar.
Danach beschleunigte sich das Wachstum deutlich. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 48 Prozent auf 22,2 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erreichte 9,3 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit KI-Halbleitern lag bei 10,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 143 Prozent. Das war fast die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes. Für das dritte Quartal stellte das Management rund 29,4 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, davon 16,0 Milliarden Dollar aus KI-Halbleitern.
Hinter diesen Prognosen stehen konkrete Verträge. Im Oktober 2025 kündigten OpenAI und Broadcom eine Zusammenarbeit über 10 Gigawatt an KI-Beschleunigern an. OpenAI entwirft die Systeme, Broadcom entwickelt und baut sie mit. Der Aufbau beginnt in der zweiten Hälfte 2026 und soll bis Ende 2029 laufen. Kurz darauf erweiterte Anthropic seine Partnerschaft mit Google und Broadcom um mehrere Gigawatt an TPU-Rechenkapazität.
Eine Einordnung gehört dazu. Solche Ankündigungen beschreiben Pläne, keine gesicherten Umsätze. Bauzeiten, Stromversorgung und Chipfertigung können sich verzögern. Eine Prognose des Managements ist eine Erwartung, keine Garantie.
Die Software-Sparte rund um VMware
Ende 2023 schloss Broadcom die Übernahme von VMware ab. Der angekündigte Kaufpreis lag bei rund 61 Milliarden Dollar in bar und Aktien. Dazu übernahm Broadcom rund 8 Milliarden Dollar Schulden von VMware. Die Software virtualisiert Server und bildet die Grundlage vieler Firmen-Rechenzentren.
Broadcom stellte das Geschäftsmodell von Dauerlizenzen auf Abonnements um. Das erhöht die wiederkehrenden Umsätze und die Marge. Teile der Kundschaft berichten aber über deutlich höhere Preise und prüfen Alternativen. Im zweiten Quartal 2026 wuchs die Sparte um 9 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar. Software wächst damit deutlich langsamer als das KI-Geschäft. Dafür liefert sie planbare Erträge, die unter anderem den Schuldenabbau finanzieren.
Die Dividende wächst seit 15 Jahren
Broadcom zahlt seit dem Geschäftsjahr 2011 eine Dividende, und zwar viermal pro Jahr. Für das Geschäftsjahr 2026 hob der Vorstand die Quartalsdividende um 10 Prozent auf 0,65 Dollar je Aktie an. Das Jahresziel liegt bei 2,60 Dollar. Laut Unternehmensangaben ist das die fünfzehnte jährliche Erhöhung in Folge.
Gedeckt ist die Ausschüttung durch den freien Mittelzufluss. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Free Cash Flow bei 26,9 Milliarden Dollar. Für dich als Anleger in Deutschland gilt: Auf US-Dividenden fällt amerikanische Quellensteuer an, dazu kommt die Abgeltungssteuer.
Drei Fragen vor einem möglichen Kauf
Die erste Frage betrifft das Geschäft. Liefert Broadcom die angekündigten KI-Umsätze wirklich aus? Dafür vergleiche ich die Prognose eines Quartals mit dem später gemeldeten Ergebnis. Wichtig ist auch, ob die Marge beim Wachstum mithält. Custom-Chips für Großkunden bringen tendenziell niedrigere Margen als ein Verkäufermarkt mit Standardprodukten.
Die zweite Frage betrifft den Trend. Ich prüfe, ob der Kurs über seinen langfristigen gleitenden Durchschnitten notiert und ob diese Linien steigen. Das ersetzt keine Bewertung. Es zeigt mir nur, ob ich mit dem Markt oder gegen ihn handeln würde.
Die dritte Frage betrifft das Momentum. Nach starken Anstiegen ist eine Aktie oft kurzfristig überhitzt. Der Relative Strength Index hilft mir, diese Lage nüchtern einzuschätzen. Erst wenn Geschäft, Trend und Momentum zusammenpassen, lohnt sich für mich die weitere Prüfung.
Die wichtigsten Risiken
Wenige Kunden tragen das KI-Geschäft. Custom-Chips entstehen für eine kleine Gruppe von Cloud- und KI-Konzernen. Verschiebt ein einziger Kunde ein Projekt, fehlt sofort viel Umsatz. Kunden können außerdem mehr Chipentwicklung selbst übernehmen oder den Partner wechseln.
Die Schulden aus Übernahmen sind hoch. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 standen laut Bilanz 62,0 Milliarden Dollar langfristige und 3,2 Milliarden Dollar kurzfristige Schulden in den Büchern. Der hohe Cashflow bedient diese Last bisher gut. Ein Umsatzeinbruch oder dauerhaft hohe Zinsen würden den Spielraum verengen.
Die VMware-Integration bleibt eine Wette. Preiserhöhungen sichern kurzfristig Umsatz. Sie treiben aber einen Teil der Kunden zu Wettbewerbern oder zu Open-Source-Lösungen. Ob die Abo-Basis über Jahre stabil bleibt, ist offen.
Die Bewertung setzt anhaltend hohes Wachstum voraus. Im August 2026 lag der Börsenwert bei rund 2 Billionen Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der letzten zwölf Monate lag laut Marktdaten bei rund 70. Auf Basis erwarteter Gewinne fällt es deutlich niedriger aus. Ein solcher Preis verzeiht wenig. Schon eine leichte Abkühlung der KI-Nachfrage kann die Bewertung stark unter Druck setzen.
Halbleiter bleiben zyklisch. Auch KI-Rechenzentren folgen Investitionszyklen. Strecken die großen Betreiber ihre Ausgaben, trifft das Chipentwickler und Netzwerkausrüster gleichzeitig. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Wenden schnell kommen können.
Mein Fazit zur Broadcom Aktie
Broadcom vereint drei Rollen in einem Konzern: Entwickler von Spezialbeschleunigern, Ausrüster für KI-Netzwerke und Softwareanbieter mit Abo-Erträgen. Die Zahlen aus den Geschäftsjahren 2025 und 2026 zeigen, dass diese Kombination derzeit außergewöhnlich gut funktioniert. Die Verträge mit OpenAI und Anthropic geben dem Wachstum eine konkrete Grundlage.
Gleichzeitig hängt dieses Wachstum an wenigen Großkunden. Die Bilanz trägt hohe Übernahmeschulden. Der Börsenwert preist bereits viel Zukunft ein. Wer nur die Schlagzeilen liest, sieht davon wenig.
Für meine eigene Prüfung gehe ich deshalb immer in derselben Reihenfolge vor: erst die Geschäftsentwicklung, dann der langfristige Trend, dann das kurzfristige Momentum. Diese Methode nimmt dir keine Entscheidung ab. Sie sorgt aber dafür, dass du Broadcom mit denselben Maßstäben misst wie jede andere Aktie.