Womit Palantir sein Geld verdient
Palantir Technologies ist ein amerikanisches Softwareunternehmen. Es wurde 2003 mitgegründet von Peter Thiel, geführt wird es von Alex Karp. Seit September 2020 ist die Aktie börsennotiert. Das Produkt ist schwerer zu greifen als ein Chip oder ein Onlineshop. Vereinfacht gesagt verbindet Palantir die verstreuten Datenquellen einer Organisation zu einem nutzbaren Gesamtbild.
Dafür gibt es mehrere Plattformen. Gotham richtet sich an Verteidigungsministerien, Nachrichtendienste und Sicherheitsbehörden. Foundry ist das Datenbetriebssystem für Unternehmen. Es bildet Daten, Logik und Abläufe einer Firma in einem gemeinsamen Modell ab, der sogenannten Ontologie. Apollo liefert die Software aus und hält sie in unterschiedlichen Umgebungen aktuell.
Die vierte Plattform heißt AIP, kurz für Artificial Intelligence Platform. Laut dem Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht verbindet AIP große Sprachmodelle mit den Daten und Abläufen der Kunden. Firmen bauen damit KI-Agenten, die konkrete Aufgaben übernehmen, etwa in Logistik, Produktion oder Versicherung. Genau diese Verbindung aus Sprachmodell und Betriebsdaten treibt derzeit die Nachfrage.
Palantir bedient zwei Kundengruppen. Im zweiten Quartal 2026 kamen 990 Millionen US-Dollar von Regierungskunden und 945 Millionen US-Dollar von kommerziellen Kunden. Rund die Hälfte des Geschäfts hängt also an staatlichen Aufträgen, vor allem aus den USA.
Zwei Geschichten, eine Aktie
Bei Palantir laufen zwei Erzählungen parallel. Die erste handelt vom Geschäft: Ein Softwareanbieter wächst schneller als fast jedes andere große Technologieunternehmen und schreibt dabei hohe Gewinne. Die zweite handelt vom Preis: Die Aktie gehört zu den am höchsten bewerteten Titeln der Welt.
Beide Erzählungen sind wahr. Wer nur eine davon erzählt, verzerrt das Bild. Deshalb prüfe ich beide Ebenen getrennt. Erst das Geschäft mit seinen Zahlen und Treibern. Danach die Bewertung mit der Frage, wie viel Zukunft der Kurs bereits vorwegnimmt. Ein starkes Unternehmen und eine teure Aktie können lange nebeneinander existieren. Sie können sich aber auch abrupt versöhnen, nach oben wie nach unten.
AIP treibt das Wachstum
Die jüngsten Zahlen sind außergewöhnlich. Laut der Pressemitteilung zum zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden US-Dollar. Das US-Kommerzgeschäft wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar. Das US-Regierungsgeschäft legte um 90 Prozent auf 809 Millionen US-Dollar zu. Palantir schloss 220 Verträge mit einem Volumen ab einer Million US-Dollar ab.
Das Unternehmen verdient dabei echtes Geld. Der Quartalsbericht weist für das Quartal einen Nettogewinn von rund 1,07 Milliarden US-Dollar aus. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Führung rund 8,15 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 82 Prozent.
Der Treiber hinter diesen Zahlen ist die Nachfrage nach AIP. Viele Unternehmen haben mit Chatbots experimentiert und wollen KI jetzt in ihre Kernprozesse bringen. Palantir verkauft dafür kurze Pilotprojekte, sogenannte Bootcamps, die oft in große Verträge münden. Auffällig ist allerdings das Gefälle: Außerhalb der USA wuchs das Kommerzgeschäft laut Quartalsbericht zuletzt nur um rund 26 Prozent. Palantir ist bisher vor allem eine amerikanische Wachstumsgeschichte.
Was die Bewertung bedeutet
Jetzt zur zweiten Erzählung. Am 10. August 2026 lag die Marktkapitalisierung laut Stockanalysis bei rund 429 Milliarden US-Dollar. Dem stehen 6,16 Milliarden US-Dollar Umsatz und 3,02 Milliarden US-Dollar Gewinn aus den letzten zwölf Monaten gegenüber. Daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 147. Der Börsenwert entspricht etwa dem Siebzigfachen des Zwölfmonatsumsatzes.
Zum Vergleich: Etablierte Softwarekonzerne werden oft mit dem Fünf- bis Fünfzehnfachen ihres Umsatzes bewertet. Palantir kostet ein Mehrfaches davon, selbst gemessen an der eigenen Prognose für 2026.
Was heißt das konkret? Eine solche Bewertung ist keine Momentaufnahme des heutigen Geschäfts. Sie ist eine Wette darauf, dass Umsatz und Gewinn noch viele Jahre sehr schnell wachsen. Rechnest du die Erwartung zurück, muss Palantir über lange Zeit nahezu fehlerfrei liefern. Verlangsamt sich das Wachstum früher als gedacht, kann der Kurs deutlich fallen, obwohl das Unternehmen weiter wächst. Umgekehrt kann die Aktie hoch bewertet bleiben, solange die Zahlen die Erwartungen übertreffen. Beides ist keine Prognose, sondern die Mechanik hoher Multiplikatoren.
Drei Fragen vor einem möglichen Kauf
Die erste Frage gilt dem Geschäft. Beschleunigt sich das Wachstum weiter, oder flacht es ab? Bei Palantir schaue ich besonders auf das US-Kommerzgeschäft, den Auftragseingang und die Frage, ob internationale Kunden nachziehen. Ein einzelnes Rekordquartal sagt weniger als der Verlauf über mehrere Quartale.
Die zweite Frage gilt dem Trend. Notiert die Aktie über ihren langfristigen gleitenden Durchschnitten, und steigen diese Linien? Das ist kein Signal zum Handeln. Es zeigt mir nur, ob ich mich mit einer Position gegen die vorherrschende Richtung stellen würde.
Die dritte Frage gilt dem Momentum. Nach starken Bewegungen kann eine Aktie kurzfristig überhitzt sein. Der Relative Strength Index hilft bei dieser Einordnung. Gerade bei einem Titel mit dieser Bewertung prüfe ich, ob ein Einstieg überhastet wäre oder ob sich die Lage beruhigt hat.
Die wichtigsten Risiken
Die Bewertung lässt wenig Spielraum. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 147 preist jahrelanges hohes Wachstum ein. Schon eine leichte Enttäuschung kann eine starke Kursreaktion auslösen, ohne dass sich das Geschäft verschlechtert.
Das Regierungsgeschäft ist konzentriert. Rund die Hälfte des Umsatzes stammt von staatlichen Kunden, überwiegend aus den USA. Haushaltsstreits, Wahlen oder neue Prioritäten einzelner Ministerien können große Aufträge verschieben oder verkleinern.
Politische Nähe ist ein zweischneidiges Schwert. Palantir profitiert von engen Beziehungen zur US-Regierung und zum Militär. Dieselbe Nähe macht das Unternehmen angreifbar, wenn sich politische Mehrheiten drehen. In Europa sorgt die Arbeit für Sicherheitsbehörden zudem regelmäßig für Debatten über Datenschutz und Abhängigkeit.
Die aktienbasierte Vergütung ist hoch. Laut Quartalsbericht kostete sie im zweiten Quartal 2026 rund 265 Millionen US-Dollar, 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Aktien stieg von 2,34 Milliarden Ende 2024 auf 2,40 Milliarden Mitte 2026. Jede neue Aktie verwässert deinen Anteil am Gewinn.
Das internationale Geschäft hinkt hinterher. Mehr als 80 Prozent des Umsatzes entstehen in den USA. Bleibt der Rest der Welt zurückhaltend, hängt die Wachstumsstory an einem einzigen Markt.
Mein Fazit zur Palantir Aktie
Palantir liefert derzeit das, was viele KI-Firmen nur versprechen: messbares Wachstum, echte Gewinne und Software, die in Behörden und Konzernen produktiv läuft. Die Position an der Schnittstelle von Daten, KI und Sicherheit ist selten und schwer kopierbar.
Die Aktie ist trotzdem kein einfacher Fall. Der Markt bezahlt dieses Geschäft mit einer Bewertung, die viele Jahre perfekter Ausführung voraussetzt. Damit wird die zentrale Frage nicht, ob Palantir ein gutes Unternehmen ist. Die Frage ist, wie viel von dieser Güte im Kurs bereits enthalten ist.
Für meine eigene Prüfung trenne ich deshalb drei Ebenen: Geschäftsentwicklung, langfristiger Trend und kurzfristiges Momentum. Diese Reihenfolge ersetzt keine persönliche Anlageentscheidung. Sie sorgt aber dafür, dass Begeisterung für die Technologie und Respekt vor dem Preis im selben Bild bleiben.