Womit TSMC sein Geld verdient
TSMC steht für Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. Das Unternehmen fertigt Chips im Auftrag anderer Firmen. Dieses Geschäftsmodell heißt Foundry. Nvidia, Apple oder AMD entwerfen ihre Prozessoren selbst. Gebaut werden sie anschließend in den Werken von TSMC. Eigene Chips verkauft TSMC nicht. Das Unternehmen konkurriert deshalb nie mit den eigenen Kunden.
TSMC hat dieses Modell 1987 als erstes Unternehmen konsequent aufgebaut. Heute ist die schiere Größe der entscheidende Vorteil. Laut dem Unternehmensprofil von TSMC fertigte der Konzern 2025 insgesamt 12.682 verschiedene Produkte für 534 Kunden. Die Jahreskapazität lag über 17 Millionen Wafern im 12-Zoll-Format. Die meisten Werke stehen in Taiwan. Dazu kommen Standorte in den USA, Japan, China und Deutschland.
Die Marktstellung ist außergewöhnlich. Nach Daten von TrendForce hielt TSMC 2025 einen Anteil von 69,9 Prozent am weltweiten Foundry-Markt. Im ersten Quartal 2026 stieg der Anteil laut Branchenzahlen auf 72,3 Prozent. Samsung folgte mit 6,5 Prozent weit dahinter.
Warum ich mir das Unternehmen genauer angesehen habe
Bei der Analyse von KI-Aktien lande ich immer wieder am selben Punkt. Nvidia entwirft die Beschleuniger für Rechenzentren. Apple entwirft die Prozessoren für das iPhone. Gefertigt wird beides bei TSMC. Wer diese Aktien beurteilen will, muss auch den Fertiger dahinter verstehen.
Der zweite Grund ist die besondere Lage im Sommer 2026. TSMC meldete im Juli ein Rekordquartal mit stark steigendem Gewinn. Fast zeitgleich kündigte das Unternehmen gewaltige zusätzliche Investitionen in den USA an. Solche Momente sehe ich mir genau an. Rekordzahlen beschreiben die Gegenwart. Die Investitionen entscheiden über die Gewinne der Zukunft. Beides gehört in eine ehrliche Analyse.
KI steht für zwei Drittel des Umsatzes
Die Mitteilung zum zweiten Quartal 2026 zeigt, wie stark die Nachfrage gerade ist. TSMC erzielte 1.270,38 Milliarden Taiwan-Dollar Umsatz. Das entspricht rund 40,2 Milliarden US-Dollar und einem Plus von 36,0 Prozent zum Vorjahresquartal. Der Nettogewinn stieg um 77,4 Prozent auf 706,56 Milliarden Taiwan-Dollar. Die Bruttomarge erreichte 67,7 Prozent. Für einen Auftragsfertiger sind das ungewöhnlich hohe Werte.
Der Treiber heißt Hochleistungsrechnen, kurz HPC. Dahinter stecken vor allem Chips für KI-Rechenzentren. Laut einer Auswertung der Quartalspräsentation stand die HPC-Plattform im zweiten Quartal für 66 Prozent des Umsatzes. Smartphones trugen 22 Prozent bei. TSMC verdient sein Geld damit inzwischen zu zwei Dritteln mit dem Ausbau der Rechenzentren.
Auch das Gesamtjahr 2025 war ein Rekordjahr. Laut der Mitteilung zum vierten Quartal 2025 erreichte der Jahresumsatz 3.809,05 Milliarden Taiwan-Dollar. Das war ein Anstieg um 31,6 Prozent gegenüber 2024. Für 2026 hob das Management die Erwartung laut Medienberichten auf ein Umsatzwachstum von etwas über 40 Prozent an. Eine Prognose bleibt eine Annahme. Sie zeigt aber, wie das Management die Auftragslage einschätzt.
Technologieführung bei 2 Nanometern
Der Vorsprung von TSMC beruht auf der Fertigungstechnik. Je kleiner die Strukturen, desto mehr Rechenleistung pro Watt. Ende 2025 startete TSMC die Serienproduktion im 2-Nanometer-Verfahren. Es ist die erste TSMC-Generation mit sogenannten GAA-Transistoren. Im zweiten Quartal 2026 lieferte dieses Verfahren bereits 3 Prozent des Waferumsatzes. Der 3-Nanometer-Prozess stand für 30 Prozent, der 5-Nanometer-Prozess für 33 Prozent. Moderne Verfahren ab 7 Nanometer machten zusammen 77 Prozent aus.
Die Entwicklung geht weiter. Laut TrendForce plant TSMC die verbesserte Variante N2P für die zweite Jahreshälfte 2026. Im selben Zeitraum soll das A16-Verfahren mit rückseitiger Stromversorgung produktionsreif werden. Die Marktanteile zeigen, dass die Kunden diesen Vorsprung mit Aufträgen honorieren.
Nvidia und Apple sind die größten Kunden
2025 gab es einen Wechsel an der Spitze. Laut einer Auswertung des Geschäftsberichts 2025 wurde Nvidia erstmals der größte Kunde von TSMC. Auf Nvidia entfielen rund 727 Milliarden Taiwan-Dollar Umsatz, ein Anteil von 19 Prozent nach einem Wachstum von 106 Prozent. Apple folgte mit 17 Prozent nach zuvor 22 Prozent. TSMC nennt selbst keine Kundennamen. Die Zuordnung stammt aus Branchenanalysen der anonymisierten Berichtsangaben.
Diese Konzentration hat zwei Seiten. Große Kunden sichern die Auslastung der teuren Werke über Jahre. Zugleich hängt rund ein Drittel des Umsatzes an nur zwei Unternehmen. Verschiebt ein Großkunde eine Chip-Generation, spürt TSMC das direkt im Ergebnis.
Drei Fragen vor einem möglichen Kauf
Zuerst prüfe ich das Geschäft. Wächst der Umsatz, weil TSMC mehr Wafer zu besseren Preisen verkauft? Halten die Margen, während die neuen Werke anlaufen? Dafür lese ich mehrere Quartale nebeneinander, nicht nur die letzte Rekordmeldung.
Danach prüfe ich den Trend. Auch ein starkes Unternehmen kann über Monate eine schwache Aktie sein, wenn die Erwartungen davongelaufen sind. Ich schaue deshalb, ob der Kurs über seinen langfristigen Durchschnittslinien notiert und ob diese Linien steigen. Das ersetzt keine Bewertung. Es zeigt nur, ob ich gegen die vorherrschende Richtung handeln würde.
Zuletzt prüfe ich das Momentum. Nach starken Bewegungen hilft der Relative Strength Index bei der Einordnung. Ein extremer Wert mahnt zur Geduld. Erst das Zusammenspiel aus Geschäft, Trend und Momentum ergibt für mich ein vollständiges Bild.
Die wichtigsten Risiken
Taiwan bleibt das zentrale Risiko. Der Großteil der Fertigung steht in Taiwan. Ein militärischer Konflikt mit China würde die weltweite Chipversorgung treffen, die Aktie zuerst. Die neuen Werke im Ausland mildern diese Abhängigkeit nur langsam. Dieses Risiko lässt sich nicht berechnen. Du kannst es nur bewusst tragen oder meiden.
Das Geschäft verschlingt gewaltige Summen. Für 2026 plant TSMC laut Medienberichten Investitionen von 60 bis 64 Milliarden US-Dollar. Im Juli 2026 kündigte das Unternehmen zusätzlich 100 Milliarden US-Dollar für Arizona an. Die geplanten US-Investitionen steigen damit auf 265 Milliarden US-Dollar. Fertigung außerhalb Taiwans ist teurer. TSMC erwartet für das dritte Quartal 2026 eine Bruttomarge von 65 bis 67 Prozent, nach 67,7 Prozent im zweiten Quartal.
Halbleiter bleiben zyklisch. Aktuell reichen die Kapazitäten kaum aus. Wenn viele Anbieter gleichzeitig ausbauen, kann aus Knappheit ein Überangebot werden. Frühere Zyklen haben gezeigt, wie schnell Preise und Auslastung dann nachgeben. Eine Pause beim KI-Ausbau würde TSMC deutlich treffen.
Kunden und Lieferanten sind konzentriert. Rund ein Drittel des Umsatzes stammt von Nvidia und Apple. Auf der Lieferseite kommen die wichtigsten Lithografie-Maschinen allein von ASML. Eine Störung an einer Stelle dieser Kette wirkt schnell auf das Gesamtergebnis.
Währungen und die ADR-Struktur gehören zur Rechnung. Die Stammaktie notiert in Taiwan-Dollar. In Deutschland handelst du meist das ADR mit dem Kürzel TSM oder ein Zweitlisting in Euro. Taiwan-Dollar, US-Dollar und Euro stecken damit alle in deiner Rendite. Wechselkurse können Gewinne verstärken oder aufzehren.
Mein Fazit zur TSMC Aktie
TSMC ist der Engpass der digitalen Welt. Ohne die Werke in Taiwan gäbe es weder aktuelle iPhones noch die Beschleuniger für KI-Rechenzentren. Die Zahlen aus dem Sommer 2026 zeigen ein Unternehmen in Rekordform. Marktanteil, Marge und Technologie sprechen eine klare Sprache.
Trotzdem bleibt die Einordnung zweigeteilt. Auf der einen Seite steht ein seltener Qualitätsfall mit struktureller Nachfrage. Auf der anderen Seite stehen Geopolitik, enorme Investitionen und ein Zyklus, der irgendwann drehen kann. Wie viel davon der Kurs bereits vorwegnimmt, musst du zum Zeitpunkt deiner Entscheidung selbst prüfen.
Für meine eigene Ordnung trenne ich drei Ebenen: Geschäftsentwicklung, langfristiger Trend, kurzfristiges Momentum. Diese Reihenfolge zwingt mich, erst das Unternehmen und dann den Chart zu betrachten. Eine Empfehlung ist das nicht. Es ist ein Raster, das bei jeder Aktie dieselben Fragen stellt.