Wie lange reicht mein Geld, wenn ich heute aufhöre?
Der Die-with-Zero-Rechner beginnt mit einer einfachen Frage: Wie lange kannst du deinen Lebensstandard aus deinem vorhandenen Vermögen finanzieren? Du gibst dein heutiges Alter, dein investiertes Kapital und deine monatlichen Kosten ein. Dazu kommen Annahmen für Rendite und Inflation. Das Ergebnis ist kein neues Monatsbudget, das du erst interpretieren musst. Du siehst direkt, bis zu welchem Alter dein Geld unter diesen Annahmen reicht.
Dein Kapital darf dabei kleiner werden. Du musst also nicht ausschließlich von Zinsen oder Dividenden leben. Das übrige Depot bleibt investiert, während du jeden Monat einen Teil herausnimmst. Genau diese Verbindung aus weiterer Rendite und Kapitalverzehr bildet der Rechner ab. Er ist eine eigenständige Umsetzung und kein offizielles Werkzeug zum Buch von Bill Perkins.
Trage nur Vermögen ein, das du tatsächlich für diesen Zweck entnehmen möchtest. Eine selbst genutzte Immobilie, gebundene Beteiligungen oder ein unangetasteter Notgroschen sind nicht dasselbe wie frei verfügbares Geld im Depot. Wenn eine Reserve erhalten bleiben soll, ziehst du sie vorher vom eingegebenen Betrag ab. Das Modell kennt den Rest deines Vermögens nicht.
Beispiel: 38 Jahre, 800.000 € in ETFs, 6.000 € Monatskosten
Angenommen, du bist 38, hast 800.000 € investiert und brauchst 6.000 € im Monat. Würdest du keine Rendite erzielen und gäbe es weder Inflation noch Steuern, könntest du 133 volle Monate finanzieren. Das entspricht 11 Jahren und 1 Monat. Für den folgenden Monat bleibt noch ein Teilbetrag, aber nicht mehr die gesamte Ausgabe.
Für das vorausgefüllte Szenario rechne ich mit konstant 10 % nominaler Jahresrendite und 3 % Inflation. Damit reicht das Vermögen im Monatsmodell für 19 Jahre und 9 Monate. Die erste nicht vollständig finanzierte Monatsausgabe liegt dann bei 57 Jahren und 9 Monaten. Das Beispiel gilt ausdrücklich vor Steuern, ohne Rente und ohne weitere Einnahmen. Die 10 % sind eine veränderbare Rechenannahme, keine zugesagte ETF-Rendite. Sie werden auf das nach der jeweiligen Entnahme noch vorhandene Vermögen angewendet.
Diese Zahl ist eine Modellantwort, keine Vorhersage. Wenn du ein Steuerprofil ergänzt, ändern sich die benötigten Verkäufe. Wenn später eine Rente kommt, kann sie einen Teil der Kosten übernehmen. Wenn du weiterarbeitest und zusätzlich sparst, verschiebt sich dein Ausstieg und du startest mit einem anderen Depotwert. Die Einstellungen bauen deshalb Schritt für Schritt auf deiner ersten Antwort auf.
Dein Depot wachsen lassen und später ganz aussteigen
Direkt beim Ergebnis steht ein zweiter Vergleich: „Wenn du dein Depot erst wachsen lässt“. Dafür bleiben deine späteren Monatskosten unverändert im Eingabefeld. Bis zum Ausstieg gelten sie aber als anderweitig gedeckt, beispielsweise durch deine Arbeit. Du entnimmst in dieser Zeit nichts und zahlst auch nichts zusätzlich ein. Erst danach trägt dein Depot deine vollen Lebenshaltungskosten.
Im Beispiel ergibt das 43 Jahre als erstes ganzes Ausstiegsalter, vor Steuern. Mit 43 wären die heute vorhandenen 800.000 € bei den angenommenen 10 % Rendite auf etwa 1.288.408 € nominal gewachsen. Nach 3 % jährlicher Inflation entspricht das rund 1.111.392 € in heutiger Kaufkraft. Die heutigen 6.000 € Monatskosten entsprächen dann rund 6.956 € nominal. Der Rest bleibt nach jeder Monatsentnahme weiter investiert.
Dieser zweite Vergleich fragt nicht nur, ob dein Geld bis 95 oder 120 reicht. Er prüft, ob alle künftigen, inflationsangepassten Monatsentnahmen unter den konstanten Annahmen rechnerisch finanzierbar wären. Neue Einzahlungen, Rente und Zusatzeinkommen werden hier bewusst nicht hinzugerechnet. Dein gewähltes Steuerprofil und der Kaufwert werden dagegen berücksichtigt. „Dauerhaft im Modell“ ist keine Zusage lebenslanger Sicherheit: Tatsächliche Kursschwankungen können einen Ruhestandsplan verändern. Die FINRA erklärt dieses Anlagerisiko auch für langfristige Anlagen.
Warum dein Geld trotz Entnahmen weiterarbeitet
Der Rechner zahlt das Depot nicht am ersten Tag aus. Er arbeitet Monat für Monat. Zunächst schaut er, welche Einnahmen nach Steuern tatsächlich verfügbar sind. Anschließend berechnet er die Differenz zu deinen Monatskosten. Nur diese Lücke muss aus dem Depot kommen. Wenn Verkaufsteuer eingestellt ist, wird entsprechend mehr verkauft, damit nach der Steuer genug für die Ausgaben übrig bleibt.
Danach erhält das verbliebene Depot die angenommene Monatsrendite. Diese wird geometrisch aus der Jahresrendite abgeleitet. Bereits ausgegebenes Geld verdient nichts mehr. Ein kleiner werdendes Depot kann trotzdem weiterhin Erträge erzeugen. Kapitalverzehr bedeutet lediglich, dass deine Entnahmen die hinzukommenden Erträge übersteigen.
Die Kurve zeigt das Depot in heutiger Kaufkraft. Die Jahreswerte enthalten zusätzlich die nominalen Beträge. Ein gezeigter Depotwert ist noch nicht automatisch vollständig nach Steuern verfügbar: Auf enthaltene unversteuerte Gewinne könnte bei einer zusätzlichen vollständigen Veräußerung weitere Steuer anfallen.
Zusatzeinkommen und spätere Rente ergänzen
Zusatzeinkommen kann beispielsweise aus Teilzeitarbeit oder Vermietung stammen. Entscheidend ist der Betrag, der dir nach Kosten, Steuern und Abgaben tatsächlich zum Leben bleibt. Gib den Beginn und das Ende an. Das Startalter ist eingeschlossen; ab dem angegebenen Endalter fällt die Einnahme weg. Die Kosten, die vorher von diesem Einkommen gedeckt wurden, muss danach gegebenenfalls das Depot übernehmen.
Die Rente hat eine eigene Einstellung, weil sie häufig erst deutlich später beginnt. Gib den erwarteten Betrag beim Rentenbeginn in heutiger Kaufkraft an. Eine bereits laufende Rente beginnt im Modell heute, ohne rückwirkend eine fiktive Rentenerhöhung zu erhalten. Nach Beginn entwickelt sich die Rente mit der separat eingestellten nominalen Rentenanpassung. Ist diese geringer als die Inflation, nimmt ihre Kaufkraft ab.
Beide Beträge gelten standardmäßig als netto. Wenn du nur einen Bruttobetrag kennst, kannst du die entsprechende Option aktivieren und deine geschätzte Gesamtbelastung in Prozent eintragen. Der Rechner zieht diesen Anteil ab. Das ist kein persönlicher Einkommensteuertarif und keine Berechnung des steuerpflichtigen Rentenanteils. Eine bereits als netto eingetragene Einnahme wird nicht noch einmal versteuert.
Eine Rente mit 67 hilft nur dann für deine laufende Planung, wenn die Jahre davor finanziert sind. Ist dein Geld mit 55 aufgebraucht, bleibt eine Finanzierungslücke bis 67. Der Rechner beendet die Reichweitenrechnung beim ersten nicht vollständig gedeckten Monat. Er nimmt keinen Kredit auf zukünftige Rentenzahlungen an. Einnahmen oberhalb deiner Kosten werden nicht automatisch zusätzlich angelegt.
Verkaufsteuer: Kaufwert und Gewinn unterscheiden
Eine Depotentnahme besteht nicht ausschließlich aus Gewinn. Ein Teil ist dein ursprünglich investiertes Geld. Das vereinfachte Modell belastet nur positive nominale Verkaufsgewinne. Deshalb fragt es beim bereits investierten Depot nach dem ursprünglichen Kaufwert. Ein Depot im Wert von 800.000 €, für das du früher 400.000 € bezahlt hast, ist steuerlich nicht dasselbe wie eine heutige Neuanlage für 800.000 €.
Für das Deutschland-Beispiel mit einem begünstigten Aktienfonds werden Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und Aktienfonds-Teilfreistellung kombiniert. Grundlagen sind § 32d EStG, § 4 SolzG und § 20 InvStG. Das Profil enthält keine Kirchensteuer. Alternativ gibst du einen eigenen effektiven Satz auf Gewinne an oder wählst ausdrücklich keine Verkaufsteuer. Ein ausländischer Wohnsitz führt nicht automatisch zu einem bestimmten Steuersatz.
Der Altbestand wird zu einer gemeinsamen Tranche zusammengefasst. Für später eingezahlte Sparraten entstehen einzelne Kauftranchen. Beim Verkauf werden ältere Anteile zuerst verbraucht. Die tatsächliche Zusammensetzung eines bestehenden Depots mit vielen verschiedenen Anschaffungen wird dadurch nur angenähert. Kaufwerte bleiben nominal bestehen; Inflation erhöht sie im Modell nicht.
Die reale Fondsbesteuerung geht über diesen vereinfachten Verkauf hinaus. § 16 InvStG erfasst auch Ausschüttungen und Vorabpauschalen; § 19 InvStG regelt unter anderem die Berücksichtigung angesetzter Vorabpauschalen beim Veräußerungsgewinn. Diese Vorgänge, Freibeträge, Verlustverrechnung und mögliche Wegzugsbesteuerung sind nicht modelliert. Die Vorschau ist deshalb keine vollständige individuelle Steuerprognose.
Später aufhören und den frühesten Ausstieg finden
Wenn du nicht heute aussteigen möchtest, aktiviere „Später aufhören“. Bis zum ausgewählten Alter bleibt dein heutiges Depot angelegt. Eine zusätzliche Sparrate wird am Monatsende investiert. Du kannst auch 0 € eintragen. Für diese Aufbauphase gilt dieselbe Renditeannahme wie für die Entnahmephase. Das hält die erste Planung übersichtlich.
Während des Aufbaus gelten deine Lebenshaltungskosten als durch Arbeit gedeckt. Der Rechner entnimmt dann nichts aus dem Depot. Zusatzeinkommen oder Rente werden nicht noch einmal zusätzlich zur Sparrate eingezahlt. Die Sparrate soll bereits ausdrücken, was du insgesamt monatlich investieren kannst. Ab dem Ausstieg endet sie; dann beginnt die Finanzierung deiner Lebenshaltungskosten aus den verfügbaren Einnahmen und dem Depot.
Mit „Frühesten Ausstieg finden“ gibst du außerdem an, bis zu welchem Alter dein Geld reichen soll. Der Rechner prüft jedes ganze Ausstiegsalter ab heute, höchstens bis 110. Er übernimmt das erste Alter, bei dem unter deinen Annahmen bis zum gewünschten Planungsende keine frühere Lücke auftritt. Das Ergebnis gilt für diese Eingaben und ganze Lebensjahre, nicht als verbindliche Empfehlung zum Kündigen.
Inflation, Schwankungen und die Grenze des Ergebnisses
Monatskosten, Sparrate und zusätzliches Einkommen stehen in heutigen Euro. Die nominalen Beträge steigen im Modell mit der Inflation. So bedeutet ein Budget von 6.000 € in zwanzig Jahren denselben angenommenen Lebensstandard wie heute, aber nicht dieselbe Zahl auf der monatlichen Überweisung. Beim späteren Ausstieg zeigt die Ausgabe deshalb auch die nominalen Monatskosten und den nominalen Depotwert.
Konstante Rendite ist eine Vereinfachung. In der Realität wechseln sich gute und schlechte Börsenjahre ab. Besonders Verluste zu Beginn einer Entnahmephase können den Verlauf verändern, selbst wenn ein langfristiger Durchschnitt ähnlich aussieht. Der zusätzliche Vergleich mit weniger Rendite macht die Abhängigkeit sichtbar, ist aber keine Wahrscheinlichkeitsrechnung und kein vollständiger Stresstest.
Die normale Reichweitenrechnung mit Kurve endet spätestens bei Alter 120. Tritt bis dahin keine Lücke auf, steht dort „mindestens bis Alter 120“. Daraus folgt keine unbegrenzte Reichweite. Der separate Vergleich für den späteren Ausstieg ohne neue Einzahlungen prüft dagegen die dauerhafte Deckung im konstanten Modell. Auch diese Modellantwort bietet keine Sicherheit für einen persönlichen Ruhestandsplan. Unerwartete Ausgaben, Pflegekosten und weitere Verpflichtungen brauchen eine eigene Betrachtung. Nutze das Ergebnis, um deine wichtigsten Annahmen zu verstehen und verschiedene Szenarien durchzuspielen.