Was dieser Rechner macht
Der Rechner beantwortet die Frage, wie lange ein vorhandenes Vermögen eine monatliche Entnahme trägt. Das Restkapital bleibt dabei angelegt und bringt weiter Rendite. Die Entnahme steigt jedes Jahr mit der Inflation, weil dein Geld sonst über die Jahre immer weniger wert ist. Am Ende steht entweder eine Jahreszahl oder ein Restkapital, das zeigt, dass der Bestand im ganzen Zeitraum nicht aufgebraucht wird.
Es gibt bewusst kein Feld für die Laufzeit. Die Laufzeit ist hier das Ergebnis und nicht die Eingabe.
So rechne ich das aus
Ich rechne monatlich, nicht jährlich. Eine Jahresrechnung verschiebt jede Entnahme rechnerisch ans Jahresende und schönt das Ergebnis. Ich nehme als Beispiel die Startwerte des Rechners: 500.000 € Kapital, 2.000 € Entnahme im Monat, 5 % Rendite und 2 % Inflation.
Schritt 1: Jahresrendite in einen Monatswert umrechnen. 5 % im Jahr sind nicht 5 geteilt durch 12. Zwölf Monate mit je 0,4167 % ergeben durch den Zinseszins 5,12 % im Jahr. Ich rechne deshalb geometrisch um. Aus 5 % im Jahr werden 0,4074 % im Monat. Zwölf solche Monate ergeben wieder exakt 5 %.
Schritt 2: Am Monatsanfang entnehmen. Von 500.000 € gehen 2.000 € ab. Es bleiben 498.000 €. Dieser Teil ist raus und arbeitet in diesem Monat nicht mehr mit. Das ist die vorsichtige Rechenweise und sie passt zum Alltag, denn du brauchst das Geld zu Monatsbeginn.
Schritt 3: Das Restkapital verzinsen. 498.000 € wachsen um 0,4074 %. Das sind 2.028,91 € Rendite. Am Ende des ersten Monats stehst du bei 500.028,91 €.
Schritt 4: Nach zwölf Monaten die Entnahme anheben. Im zweiten Jahr entnimmst du nicht mehr 2.000 €, sondern 2.040 €. Im elften Jahr sind es 2.437,99 €, im einundzwanzigsten Jahr 2.971,89 €. Die Kaufkraft bleibt gleich, der Betrag steigt.
Schritt 5: Das Ganze 720-mal wiederholen. Mehr ist es nicht. Der Rechner simuliert 60 Jahre. Was danach passiert, muss niemand mehr planen.
Für das Beispiel kommt dabei heraus: Das Kapital reicht 32,4 Jahre. Insgesamt ausgezahlt werden in dieser Zeit 1.077.766,78 €. Aus 500.000 € wird also mehr als das Doppelte an Auszahlungen, weil der noch nicht entnommene Teil die ganze Zeit weiter arbeitet. Die letzte Monatsrate liegt bei 3.769,08 €. Das klingt nach viel und ist es nicht: 3.769,08 € im Jahr 33 haben nach 32 Jahren mit 2 % Inflation genau die Kaufkraft von heute 2.000 €.
Warum die ersten Jahre harmlos aussehen
Im Beispiel wirft das Kapital im ersten Jahr 24.354,84 € Rendite ab. Entnommen werden 24.000 €. Die Rendite trägt die Entnahme also komplett, und am Ende des ersten Jahres stehen sogar 500.354,84 € auf dem Konto. Mehr als am Anfang.
Genau hier täuscht sich fast jeder. Ab dem zweiten Jahr steigt die Entnahme um 2 %, das Kapital aber nicht mehr im gleichen Tempo. Der Bestand sinkt zuerst kaum, dann immer schneller:
Nach 10 Jahren stehen noch 477.712,17 €. Nach 20 Jahren sind es 367.664,54 €. Das sieht immer noch komfortabel aus. Nach 25 Jahren sind es 259.035,69 €, nach 30 Jahren nur noch 98.516,09 €. Gut zwei Jahre später ist nichts mehr da.
Die ersten zwanzig Jahre kosten zusammen 132.335,46 € Substanz. Die letzten gut fünf Jahre kosten 201.890,56 €. Wer nur auf den Kontostand nach zehn oder fünfzehn Jahren schaut, hält den Plan für sicherer, als er ist.
Was dabei oft übersehen wird
Die Inflation entscheidet über den ganzen Plan. Ohne jede Anpassung würden dieselben 2.000 € über 60 Jahre gezahlt und am Ende lägen noch 625.467,39 € da. Mit 2 % Anpassung ist nach 32,4 Jahren Schluss. Ein einziger Prozentpunkt mehr, also 3 % Inflation, kostet weitere 5,3 Jahre und drückt die Reichweite auf 27,1 Jahre. Wer ohne Inflation plant, plant an der Realität vorbei.
Die Rendite in der Entnahmephase ist nicht die Rendite der Ansparphase. Zwei Prozentpunkte weniger, also 3 % statt 5 %, verkürzen den Plan von 32,4 auf 23,5 Jahre. Mit 7 % dagegen wird das Kapital im gesamten Zeitraum nicht aufgebraucht. Diese Spanne solltest du kennen, bevor du dich auf eine Zahl festlegst. Wie stark eine Annahme über Jahrzehnte durchschlägt, siehst du auch im Zinseszinsrechner.
Die Reihenfolge der Renditen wirkt in der Entnahmephase gegen dich. In der Ansparphase sind schwache Jahre gut, weil du günstiger nachkaufst. Beim Entnehmen dreht sich das um. Fällt der Kurs, verkaufst du für dieselben 2.000 € mehr Anteile, und diese Anteile fehlen später. Zwei bis drei Jahresentnahmen auf dem Tagesgeldkonto sind deshalb kein totes Kapital, sondern der Puffer, der dich davor bewahrt, im schlechtesten Moment verkaufen zu müssen.
Steuern und Kosten fehlen in dieser Rechnung. Beim Verkauf von Anteilen fällt Steuer nur auf den Gewinnanteil an, nicht auf die gesamte Auszahlung. Der Satz beträgt 25 % nach § 32d EStG plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf nach § 4 SolzG, zusammen 26,375 %. Steuerfrei bleiben 1.000 € Kapitalerträge im Jahr nach § 20 Abs. 9 EStG, bei zusammen veranlagten Ehegatten 2.000 €. Bei ETFs kommt die jährliche Vorabpauschale dazu, die auch ohne Verkauf anfällt. Was davon konkret bleibt, rechnest du im Abgeltungssteuer-Rechner und im Vorabpauschale-Rechner nach. Depotkosten und Fondsgebühren wirken zusätzlich wie eine niedrigere Rendite, dazu findest du Zahlen im ETF-Sparplanrechner.
Ein Entnahmeplan ist kein Ausgabenplan. Neues Auto, Zahnersatz, ein Pflegefall. Solche Posten stehen nicht in der Monatsrate. Rechne sie entweder als höhere Entnahme mit ein oder halte sie außerhalb des Plans vor.
Wie du den Rechner sinnvoll benutzt
Fang mit deiner tatsächlichen Lücke an, nicht mit einer Wunschzahl. Wie viel dir nach Renten und Mieteinnahmen im Monat wirklich fehlt, ermittelst du im Rentenlücken-Rechner. Diese Zahl gehört ins Feld für die monatliche Entnahme.
Rechne danach drei Varianten statt einer. Eine vorsichtige mit 3 % Rendite, eine mittlere mit 5 % und eine freundliche mit 7 %. Die Spanne zwischen 23,5 Jahren und einem Kapital, das nicht aufgebraucht wird, zeigt dir ehrlicher als jede einzelne Zahl, worauf du dich einlässt.
Prüfe zum Schluss, wo bei deinen Zahlen die Grenze zwischen Verzehr und Bestand verläuft. Im Beispiel liegt sie bei knapp 1.477 € im Monat. Darüber ist das Kapital innerhalb der 60 Jahre weg, bei 1.500 € nach 57,6 Jahren. Direkt darunter bleibt zwar etwas stehen, aber ein echter Bestand wird daraus erst deutlich tiefer. Bei 1.475 € im Monat liegen nach 60 Jahren noch 10.465,74 €, bei 1.250 € dagegen 1.433.552,94 €. Die verbreitete Vier-Prozent-Regel entspricht bei 500.000 € einer Entnahme von 1.666,67 € im Monat und ergibt in diesem Modell 45,2 Jahre. Sie ist als grobe Orientierung brauchbar, ersetzt aber die eigene Rechnung nicht.
Und dreh am Ende an der Stellschraube, die dir wirklich gehört. Die Rendite kannst du nicht bestimmen. Deine Entnahme schon. 300 € weniger im Monat, also 1.700 € statt 2.000 €, verlängern den Plan im Beispiel von 32,4 auf 43,4 Jahre. Das sind elf Jahre für einen Betrag, über den viele nicht einmal nachdenken.