Was dieser Rechner macht
Der Rechner zeigt dir, wie viel Geld dir im Ruhestand jeden Monat fehlt und was du heute tun müsstest, damit es nicht fehlt. Du bekommst vier Zahlen: die Lücke in heutiger Kaufkraft, die Lücke zum Rentenbeginn, das Kapital, das bis dahin da sein muss, und die Sparrate, die dieses Kapital aufbaut. Nur die letzte Zahl liegt in deiner Hand.
So rechne ich das aus
Ich gehe das voreingestellte Beispiel durch. 2.800 € Nettoeinkommen heute, 1.400 € erwartete gesetzliche Rente, 20 Jahre bis zum Rentenbeginn, 2 % Inflation pro Jahr.
Schritt 1: Die Lücke von heute. Ich ziehe die Rente vom Nettoeinkommen ab. 2.800 € minus 1.400 € sind 1.400 €. So viel fehlt dir jeden Monat, wenn du deinen heutigen Lebensstandard eins zu eins halten willst.
Schritt 2: Die Lücke zum Rentenbeginn. In 20 Jahren kostet dasselbe Leben mehr. Bei 2 % Inflation pro Jahr wächst der Betrag um den Faktor 1,486. Aus 1.400 € werden 2.080,33 €. So groß ist die Lücke, wenn deine Rente beginnt.
Schritt 3: Das nötige Kapital. Jetzt drehe ich die Frage um. Wie viel Geld muss am ersten Rententag im Depot liegen, damit es 25 Jahre lang jeden Monat diese Summe hergibt? Ich rechne mit 4 % Rendite pro Jahr auf das noch nicht verbrauchte Kapital. Gleichzeitig steigt die Entnahme in der Rentenzeit weiter mit der Inflation, sonst wäre sie am Ende deutlich weniger wert als am Anfang. Übrig bleibt damit eine reale Rendite von 1,96 % pro Jahr. Real heißt: der Teil der Rendite, der nach Abzug der Inflation noch echte Kaufkraft bringt. Daraus ergibt sich ein Barwertfaktor von rund 237,5. Dieser Faktor sagt, wie viel Kapital je Euro Monatsentnahme nötig ist. Angewandt auf die 2.080,33 € sind das 494.018,07 €.
Schritt 4: Die Sparrate. Diese 494.018,07 € musst du in 240 Monaten aufbauen. Auch hier rechne ich mit 4 % Rendite pro Jahr. Der Aufbaufaktor liegt bei rund 363,8. Er sagt, auf wie viel eine Sparrate von 1 € im Monat über die 240 Monate insgesamt anwächst. Das Kapital geteilt durch diesen Faktor ergibt 1.357,78 € pro Monat.
Von den 494.018,07 € zahlst du selbst 325.867,89 € ein. Die restlichen 168.150,18 € kommen aus der Rendite. Die Verlaufsgrafik im Rechner zeigt den Kapitalstand über die Jahre. Er wächst erst langsam und dann immer schneller. Nach der Hälfte der Zeit, also nach 10 von 20 Jahren, stehen erst 199.181,22 € auf dem Depot. Das sind gut 40 % des Ziels, obwohl die Hälfte der Zeit vorbei ist.
Die Annahmen, die ich offenlege
Zwei Werte stecken fest im Rechner und nicht in den Eingabefeldern. Ich nenne sie, weil sie das Ergebnis stark bewegen.
Die erste Annahme ist die Entnahmedauer von 25 Jahren. Wer mit 67 in Rente geht, ist damit bis 92 versorgt. Wer älter wird, braucht länger Geld.
Die zweite Annahme ist eine Rendite von 4 % pro Jahr, vor Steuern und Kosten, in der Ansparphase wie in der Entnahmephase. Das ist ein vorsichtiger Wert für ein gemischtes Depot. Wenn du für die Ansparphase mit einer anderen Erwartung planen willst, rechne die Sparrate im Zinseszinsrechner mit deinem eigenen Wert nach.
Beide Annahmen wirken kräftig. Über die vollen 25 Jahre entnimmst du in diesem Beispiel insgesamt 808.237,86 €, obwohl am ersten Rententag nur 494.018,07 € da sind. Den Unterschied trägt die Rendite auf das Geld, das noch nicht verbraucht ist. Wie sich das Kapital in der Entnahmephase Jahr für Jahr entwickelt, siehst du im Entnahmeplan-Rechner.
Was dabei oft übersehen wird
Die Faustformel rechnet weder mit Inflation noch mit Rendite. Verbreitet ist die Rechnung Lücke mal 12 mal 25. Bei 1.400 € Lücke ergibt das 420.000 €. Diese Zahl bezieht sich auf die Kaufkraft von heute. Mein Rechner kommt für denselben Fall auf 494.018,07 €, also 74.018,07 € mehr. In dieser Differenz stecken zwei gegenläufige Kräfte. Die Inflation bis zum Rentenbeginn hebt den Bedarf von 420.000 € auf 624.097,91 €. Die reale Rendite in der Entnahmephase, also die 4 % Rendite abzüglich der weiter laufenden Inflation, drückt ihn von dort auf 494.018,07 €. Weil die erste Kraft stärker wirkt, bleibt unter dem Strich mehr Kapital nötig, als die Faustformel nennt.
Die Inflation entscheidet mehr, als die meisten annehmen. Setz die Inflation im Rechner auf 0 %. Das nötige Kapital fällt von 494.018,07 € auf 267.228,47 €. Setz sie auf 3 %, dann steht dort 673.632,11 €. Allein der Schritt von 2 % auf 3 % bewegt 179.614,04 €. Genau deshalb hat der Rechner ein eigenes Feld dafür.
Brutto und netto werden verwechselt. In deiner Renteninformation steht ein Bruttobetrag. Davon gehen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, und ein Teil der Rente wird versteuert. Trag in das Rentenfeld den Betrag ein, der am Monatsende übrig bleibt, sonst rechnest du deine Lücke zu klein.
Die Steuer auf das Depot fehlt in dieser Rechnung. Der Rechner arbeitet brutto. Auf Kapitalerträge fallen in Deutschland 25 % Abgeltungsteuer nach § 32d EStG an. Dazu kommen 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer nach § 4 SolzG 1995, zusammen also 26,375 %. Steuerfrei bleiben über den Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren 2.000 €. In der Entnahmephase trifft die Steuer nur den Gewinnanteil, nicht das eingezahlte Geld. Was davon übrig bleibt, rechnest du im Abgeltungssteuer-Rechner durch.
Spät anfangen kostet überproportional. Bei 30 Jahren Vorlauf liegt die Sparrate in diesem Beispiel bei 878,78 €. Bei 20 Jahren sind es 1.357,78 €. Bei 10 Jahren sind es 2.762,63 €, also fast das gesamte Nettoeinkommen. Von 20 auf 10 Jahre verdoppelt sich die Rate, obwohl die Lücke dieselbe bleibt.
Wie du den Rechner sinnvoll benutzt
Die Sparrate von 1.357,78 € erschreckt viele. Das sind 48,5 % des Nettoeinkommens im Beispiel. Das liegt daran, dass diese Rechnung deinen heutigen Lebensstandard zu 100 % absichert, ohne jeden Abstrich.
Üblich ist eine andere Annahme. Im Ruhestand fallen Kosten weg. Der Weg zur Arbeit, die eigenen Beiträge zur Rentenversicherung, bei vielen auch die Miete oder die Rate fürs Haus. Gebräuchlich ist die Faustregel mit 80 % des heutigen Nettoeinkommens. Wer so planen will, trägt diesen Wert gleich in das erste Feld ein. Aus 2.800 € werden 2.240 €. Die Lücke sinkt damit auf 840 € im Monat, das nötige Kapital auf 296.410,84 € und die Sparrate auf 814,67 €. Das sind 29,1 % des Nettoeinkommens statt 48,5 %.
Der zweite Hebel liegt auf der Einnahmenseite. Jeder Euro sichere monatliche Rente spart ein Vielfaches an Kapital. Wenn du im Rentenfeld 1.600 € statt 1.400 € einträgst, sinkt die nötige Sparrate von 1.357,78 € auf 1.163,81 €. Du sparst also 193,97 € im Monat, fast eins zu eins. In dieses Feld gehören deshalb alle sicheren Einkünfte im Alter, nicht nur die gesetzliche Rente. Eine Betriebsrente zählt dazu, ebenso eine Mieteinnahme, die auch dann noch fließt.
Rechne am Ende nicht eine Variante, sondern zwei. Eine mittlere und eine vorsichtige mit höherer Inflation und niedrigerer Rente. Der Abstand zwischen beiden Ergebnissen sagt dir mehr über die Belastbarkeit deiner Planung als jede einzelne Zahl. Und wenn du die Sparrate praktisch umsetzen willst, rechne im ETF-Sparplanrechner nach, was Kosten über zwanzig Jahre davon abziehen.