Die direkte Antwort
Zwei Millionen Euro reichen für viele Lebensmodelle im Ruhestand. Die Summe garantiert trotzdem weder eine bestimmte monatliche Auszahlung noch den Erhalt des Kapitals. Bei einer anfänglichen Entnahmerate von 3 % bis 4 % entstehen 5.000 € bis 6.667 € brutto im Monat.
In diesem Vermögensbereich verschiebt sich die Planung. Die Frage lautet häufig nicht mehr nur, ob die laufenden Ausgaben bezahlt werden können. Zusätzlich geht es um einen sehr frühen Ausstieg, Versorgung eines Paares, Kapitalerhalt, Unterstützung der Familie oder ein gewünschtes Erbe. Diese Ziele können miteinander konkurrieren.
Die monatlichen Modellwerte
| Anfängliche Rate | Betrag pro Jahr | Betrag pro Monat |
|---|---|---|
| 3 % | 60.000 € | 5.000 € |
| 3,5 % | 70.000 € | rund 5.833 € |
| 4 % | 80.000 € | rund 6.667 € |
Die Werte gelten brutto für das erste Jahr. Die historische 4-Prozent-Regel erhöht den anfänglichen Eurobetrag anschließend mit der Inflation. Sie basiert auf historischen US-Daten und bestimmten Aktien-Anleihe-Mischungen. Sie enthält keine persönliche deutsche Steuer- und Versicherungssituation.
Im Privatier-Rechner kannst du Ausgaben, Startalter, vorhandenes Kapital und spätere Netto-Renten verbinden. Auch bei zwei Millionen sollte die Planung vom Bedarf ausgehen. Eine maximale Tabellenrate ist kein sinnvolles Ausgabenziel.
Ein Monatsbedarf von 5.000 Euro
5.000 € im Monat entsprechen 60.000 € im Jahr und 3 % des Startkapitals. Diese Rate schafft gegenüber 4 % rechnerisch 20.000 € jährliche Differenz. Sie kann für Inflation, Steuer, unregelmäßige Ausgaben und schwache Marktphasen einen größeren Spielraum lassen.
Der Monatsbedarf muss vollständig sein. Bei einem gehobenen Lebensstil fallen Reisen, mehrere Fahrzeuge, Immobilienkosten und Unterstützung von Angehörigen häufig unregelmäßig an. Wer jedes Jahr 20.000 € für Reisen und alle fünf Jahre 50.000 € für ein Fahrzeug plant, muss diese Beträge zusätzlich als Monatsrücklage erfassen.
Spätere Renten senken die Depotlücke. Bei 5.000 € Bedarf und 2.500 € gemeinsamen Netto-Renten muss das Kapital nach Rentenbeginn nur noch 2.500 € ergänzen. Die Jahre davor tragen weiterhin den vollen Betrag.
Ein Monatsbedarf von 10.000 Euro
10.000 € im Monat ergeben 120.000 € im Jahr und 6 % des Startkapitals. Ohne Rendite, Inflation und Steuern reichen zwei Millionen dafür 200 Monate, also 16 Jahre und acht Monate. Für einen langen vollständigen Ruhestand ist diese Rate ohne weitere Einkünfte zu hoch.
Bei 4 % läge das rechnerische Zielkapital für 120.000 € Jahresbedarf bei drei Millionen Euro. Bei 3,5 % wären es rund 3,43 Millionen €. Eine Alternative ist ein flexibles Budget, bei dem hohe Reise- oder Luxusausgaben nach schwachen Börsenjahren sinken.
Die Rechnung macht eine wichtige Grenze sichtbar. Ein großes Vermögen erlaubt hohe Ausgaben, hebt aber Mathematik und Marktfolgen nicht auf. Eine dauerhaft hohe feste Rate kann auch ein Millionenvermögen aufzehren.
Sehr früher Ausstieg und lange Laufzeit
Wer mit 40 oder 45 aussteigt, plant möglicherweise 50 Jahre. Viele bekannte historische Entnahmestudien untersuchten kürzere Zeiträume. Ein längerer Horizont erhöht die Wahrscheinlichkeit, mehrere Krisen, Inflationsphasen und persönliche Veränderungen zu erleben.
Gleichzeitig beginnen später gesetzliche und betriebliche Renten. Der Plan sollte die lange Phase ohne diese Einkünfte separat abbilden. Ein Paar kann außerdem unterschiedliche Rentenbeginne und Ansprüche haben.
Ein sehr früher Ausstieg benötigt mehr Flexibilität als ein Ruhestand mit 67. Teilzeitarbeit, projektbezogene Einnahmen oder verschiebbare Ausgaben können die Depotbelastung nach schlechten Marktjahren senken. Diese Flexibilität gehört als konkrete Regel in den Plan, nicht nur als vage Möglichkeit.
Kapitalverbrauch und Kapitalerhalt trennen
Ein Entnahmeplan kann darauf zielen, das Vermögen über die Lebenszeit kontrolliert zu verbrauchen. Er kann ebenso einen realen Mindestwert schützen. Beide Ziele benötigen andere Kennzahlen.
Wer zwei Millionen hinterlassen möchte und gleichzeitig 80.000 € jährlich entnimmt, verlangt realen Kapitalerhalt trotz Entnahme und Inflation. Das setzt eine ausreichend hohe reale Nettorendite voraus. Sie ist nicht garantiert. Ein schwacher Marktstart kann das Ziel früh gefährden.
Definiere deshalb Mindestwerte zu bestimmten Zeitpunkten. Soll mit 80 noch mindestens eine Million in heutiger Kaufkraft vorhanden sein, muss die Rechnung Inflation, Steuern und Entnahmen gemeinsam abbilden. Der Entnahmeplan-Rechner zeigt nominales Restkapital in einem gleichmäßigen Modell. Für ein reales Erhaltungsziel muss die Inflationswirkung zusätzlich berücksichtigt werden.
Familie, Schenkungen und getrennte Töpfe
Unterstützung für Kinder, Eltern oder gemeinnützige Projekte sollte nicht unsichtbar aus dem laufenden Budget kommen. Plane sie als eigenen Kapitaltopf oder als feste jährliche Ausgabe. Eine Schenkung von 200.000 € reduziert das verbleibende Depot um 10 % und erhöht jede unveränderte Entnahmerate entsprechend.
Auch Immobilien und Unternehmensbeteiligungen sind nicht dasselbe wie liquide Depotwerte. Ein selbst bewohntes Haus kann Kosten senken, lässt sich aber nicht gleichzeitig vollständig als jederzeit verfügbares Entnahmekapital behandeln. Nicht börsennotierte Beteiligungen können schwer verkäuflich sein und unregelmäßige Ausschüttungen liefern.
Trenne deshalb verfügbares Entnahmekapital, Sicherheitsreserve, Wohnvermögen und geplante Weitergaben. Nur der tatsächlich nutzbare Teil gehört in die monatliche Entnahmerechnung.
Steuerplanung ohne pauschale Prozentzahl
Der Depotwert allein löst keine Abgeltungsteuer aus. Besteuert werden Erträge. Bei Verkäufen ist nach § 20 Absatz 4 EStG grundsätzlich der Gewinn aus Erlös abzüglich Anschaffungskosten relevant. Ein über viele Jahre gewachsenes Depot kann einen hohen Gewinnanteil enthalten.
Für viele Kapitalerträge gilt nach § 32d EStG grundsätzlich ein besonderer Steuersatz von 25 %. Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer kommen hinzu. Bei Aktienfonds sind für Privatanleger nach § 20 InvStG grundsätzlich 30 % der Erträge teilfreigestellt.
Der Sparer-Pauschbetrag ist gegenüber möglichen Erträgen aus zwei Millionen klein, bleibt aber Teil der Rechnung. Verlusttöpfe, Vorabpauschalen und unterschiedliche Anschaffungskosten beeinflussen den Zeitpunkt und die Höhe der Steuer. Der ETF-Verkauf-Rechner zeigt Verkäufe aus mehreren Tranchen nach FIFO.
Schutz vor einem schlechten Börsenstart
Ein Kursverlust von 25 % reduziert zwei Millionen auf 1,5 Millionen. Eine unveränderte Entnahme von 80.000 € entspricht danach 5,33 % des verbliebenen Kapitals. Der absolute Lebensstandard bleibt gleich, seine Belastung für das Depot steigt aber stark.
Ein Ausgabenteil außerhalb schwankender Anlagen, variable Entnahmen und zusätzliche sichere Einkünfte können den Verkaufsdruck senken. Die passende Kombination hängt von der Höhe der unvermeidbaren Ausgaben ab. Wer 3.000 € feste Kosten und 4.000 € flexible Ausgaben hat, kann anders reagieren als jemand mit 7.000 € festen Verpflichtungen.
Lege vor dem Ausstieg fest, welche Ausgaben bei einem Depotverlust von 20 % oder 30 % sinken. Eine vorher bestimmte Regel ist belastbarer als eine Entscheidung mitten in einer Krise.
Das Urteil für zwei Millionen
Zwei Millionen Euro bieten bei einem Bedarf von 5.000 € bis 6.667 € brutto im Monat eine starke Ausgangslage. Ein sehr früher Beginn, 10.000 € Monatsbedarf oder ein striktes Kapitalerhaltungsziel verlangen trotzdem zusätzliche Planung.
Nutze den Privatier-Rechner für deine tatsächlichen Phasen und den Entnahmeplan-Rechner für mehrere Raten. Die Wirkung der nächstkleineren Stufe zeigt der Beitrag Ruhestand mit einer Million Euro. Entscheidend ist nicht, wie groß die Zahl klingt, sondern welche Aufgaben sie gleichzeitig erfüllen soll.
Quellen und Grenzen
Die Entnahmeraten sind Modellwerte. William Bengens Untersuchung „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“ liefert eine historische Grundlage, aber keine Zukunftsgarantie. Steuerliche Angaben verweisen auf das Einkommensteuer- und Investmentsteuergesetz. Vermögensübertragung, Versicherung und individuelle Steuerfragen benötigen fachliche Prüfung.