Die kurze Antwort
300.000 € können für einen vollständigen Ruhestand reichen, wenn deine ungedeckten Ausgaben niedrig sind oder andere Einkünfte einen großen Teil des Lebensunterhalts tragen. Für einen allein aus dem Depot finanzierten Bedarf von 2.500 € oder 3.000 € im Monat ist der Betrag dagegen meist zu klein.
Der Bereich von 300.000 € ist besonders interessant, weil er zwischen Zusatzrente und vollständiger finanzieller Unabhängigkeit liegt. Eine kleine gesetzliche Rente, ein bezahltes Eigenheim, geringe laufende Kosten oder einige Jahre Teilzeitarbeit können die Rechnung stark verändern. Ohne diese Bausteine wird das Kapital schnell zu einer befristeten Reserve.
Der monatliche Modellwert
Die anfängliche Bruttoentnahme sieht so aus:
| Anfängliche Rate | Betrag pro Jahr | Betrag pro Monat |
|---|---|---|
| 3 % | 9.000 € | 750 € |
| 3,5 % | 10.500 € | 875 € |
| 4 % | 12.000 € | 1.000 € |
Der Monatsbetrag ist ein Orientierungswert für das erste Jahr. Er ist keine dauerhaft sichere Auszahlung. Die historische 4-Prozent-Regel arbeitet mit einer anschließenden Inflationsanpassung und bestimmten US-Daten. Sie berücksichtigt weder deine deutsche Steuer noch deinen Versicherungsstatus.
Rechne zuerst die tatsächliche Lücke. Im Privatier-Rechner kannst du Ausgaben, vorhandenes Kapital, Zielalter und spätere Netto-Rente zusammenführen. Liegt die Lücke dauerhaft über 1.000 €, braucht der Plan zusätzliche Einkünfte, niedrigere Ausgaben oder mehr Kapital.
Das Modell mit Teilzeiteinkommen
300.000 € können einen gleitenden Ausstieg ermöglichen. Angenommen, du brauchst vollständig 2.500 € im Monat. Eine selbst gewählte Teilzeitarbeit bringt 1.500 € netto. Das Depot muss zunächst 1.000 € ergänzen. Dieser Betrag entspricht 4 % des Startkapitals im ersten Jahr.
Das Modell entlastet das Depot und erhält einen Teil deiner beruflichen Einnahmen. Gleichzeitig besitzt es drei Risiken. Der Verdienst kann ausfallen, die Teilzeit kann mehr Zeit verlangen als geplant und die spätere Rente fällt durch geringere Beitragsjahre möglicherweise niedriger aus. Der Plan sollte deshalb auch eine Variante enthalten, in der das Einkommen für zwölf Monate wegfällt.
Ein flexibler Verdienst wirkt besonders stark, wenn die Kurse zu Beginn fallen. Statt nach einem schlechten Börsenjahr dieselbe Summe zu verkaufen, kannst du zeitweise mehr arbeiten oder Ausgaben verschieben. Diese Anpassung ist kein Teil der klassischen 4-Prozent-Regel, kann in der persönlichen Planung aber wertvoller sein als eine Nachkommastelle bei der Rendite.
Das Modell mit späterer Rente
Eine andere Ausgangslage entsteht, wenn du heute noch keine Rente erhältst. Du möchtest etwa mit 60 aufhören und erwartest ab 67 eine Netto-Rente von 1.700 €. Dein Bedarf liegt bei 2.400 €.
Bis 67 fehlen die vollen 2.400 € im Monat. Sieben Jahre kosten ohne weitere Effekte 201.600 €. Danach sinkt die Lücke auf 700 €. Von den ursprünglichen 300.000 € blieben in dieser einfachen Rechnung 98.400 € für die spätere Zusatzentnahme. 700 € monatlich wären darauf bezogen bereits mehr als 8 % im Jahr. Das zeigt, warum eine scheinbar ausreichende Gesamtsumme zwei getrennte Phasen benötigt.
Beginnt der Ausstieg erst mit 64, kostet die dreijährige Brücke 86.400 €. Danach bleiben rechnerisch 213.600 €. Eine Lücke von 700 € entspricht dann 3,93 % des Restbetrags. Drei Jahre Unterschied verändern die Tragfähigkeit grundlegend.
Nutze für die spätere Versorgung keine Bruttorente als Nettobetrag. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern können die Auszahlung mindern. Der Rentenlücken-Rechner trennt Bedarf, Inflation und erwartete Einkünfte.
Wohnkosten entscheiden stärker als die runde Summe
Ein bezahltes Eigenheim kann die monatlichen Wohnkosten senken. Es beseitigt sie nicht. Instandhaltung, Grundsteuer, Versicherungen, Energie und größere Modernisierungen bleiben. Ein neues Dach für 30.000 € entspricht bei einer rechnerischen Verteilung über 20 Jahre 125 € im Monat, bevor weitere Arbeiten hinzukommen.
Wer zur Miete lebt, hat einen klar sichtbaren Monatsbetrag, trägt aber das Risiko künftiger Erhöhungen. Wer Eigentum besitzt, erlebt unregelmäßige Belastungen. Beide Wohnformen müssen vollständig im Budget stehen. Das Haus selbst darf nicht zugleich als unantastbarer Wohnort und als frei verfügbares Entnahmekapital gerechnet werden.
Bei 300.000 € kann eine vergessene Rücklage von 250 € im Monat den Unterschied zwischen 3 % und 4 % Entnahme ausmachen. Prüfe deshalb zwölf Monate Kontoauszüge und ergänze seltene Kosten aus mehreren Jahren.
Reihenfolgerisiko und Liquidität
Ein früher Kursrückgang trifft ein Depot in der Entnahmephase doppelt. Sein Wert sinkt und gleichzeitig werden Anteile verkauft. Nach einem Verlust von 20 % stehen aus 300.000 € noch 240.000 €. Eine jährliche Entnahme von 12.000 € entspricht darauf 5 % statt 4 %.
Ein getrennt verfügbarer Betrag für planbare Ausgaben kann Verkäufe im ungünstigen Moment reduzieren. Wie groß dieser Teil sein soll, lässt sich nicht aus der Vermögenssumme allein ableiten. Wer eine sichere Rente von 2.000 € und nur 500 € Lücke hat, braucht einen anderen Puffer als jemand ohne weitere Einkünfte.
Der Entnahmeplan-Rechner zeigt, wie Rate, Rendite und Inflation zusammenwirken. Rechne mindestens mit 750 €, 875 €, 1.000 € und deinem tatsächlichen Bedarf. Vergleiche nicht nur die Reichweite, sondern auch, wie viel Restkapital du zu bestimmten Zeitpunkten benötigst.
Steuer und Nettobedarf
Bei Depotverkäufen wird grundsätzlich der Gewinn besteuert. Nach § 20 Absatz 4 EStG ergibt sich der Gewinn vereinfacht aus Verkaufserlös abzüglich Anschaffungskosten. Wer 300.000 € eingezahlt hat und dessen Depot weiterhin 300.000 € wert ist, hat eine andere Steuerlage als jemand mit 150.000 € Einzahlungen und 150.000 € Gewinn.
Für viele Kapitalerträge gilt nach § 32d EStG grundsätzlich ein Steuersatz von 25 %. Hinzukommen können Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Bei Aktienfonds bleiben nach § 20 InvStG für Privatanleger grundsätzlich 30 % der Erträge steuerfrei. Der Sparer-Pauschbetrag und vorhandene Verluste senken die Bemessungsgrundlage möglicherweise weiter.
Plane vom benötigten Nettobetrag rückwärts. Wenn 1.000 € auf deinem Konto ankommen sollen, kann der notwendige Verkauf höher sein. Der ETF-Verkauf-Rechner bildet Kauftranchen und FIFO ab.
Das passende Urteil für 300.000 Euro
300.000 € reichen nicht pauschal und sind auch nicht pauschal zu wenig. Sie können einen schlanken Lebensstil mit zusätzlichen Einkünften, eine mehrjährige Übergangsphase oder eine spätere Rentenlücke finanzieren. Für einen hohen vollständig ungedeckten Monatsbedarf ist der Betrag zu knapp.
Baue den Plan deshalb aus Phasen. Rechne die Zeit bis zur Rente, die Zeit danach und ein Jahr ohne geplantes Teilzeiteinkommen getrennt. Prüfe anschließend im Privatier-Rechner, wie sich Startalter und Einkünfte verändern. Die benachbarten Rechnungen findest du bei 200.000 Euro und 500.000 Euro.
Quellen und Grenzen
Die Entnahmeszenarien sind Modellrechnungen. Die historische Grundlage der 4-Prozent-Regel beschreibt William Bengen in „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“. Steuerliche Grundlagen stammen aus dem Einkommensteuer- und Investmentsteuergesetz. Eine persönliche Planung muss deine echten Kosten, Einkünfte, Versicherungen und deine Fähigkeit zum Umgang mit Schwankungen berücksichtigen.