ARTUR NEUMANN

Entnahmeplan: So lange reicht dein Geld im Ruhestand

Zuletzt geprüft am 29. Juli 2026

Was ein Entnahmeplan beantwortet

Ein Entnahmeplan dreht die Sparphase um. Statt jeden Monat Geld einzuzahlen, nimmst du jeden Monat Geld heraus. Der noch nicht entnommene Teil bleibt angelegt und arbeitet weiter. Die Frage ist damit nicht mehr, was am Ende zusammenkommt, sondern wie lange der Bestand trägt.

Drei Größen bestimmen das Ergebnis: die Höhe der monatlichen Entnahme, die Rendite auf das Restkapital und die Inflation, die deine Rate jedes Jahr teurer macht. Die Laufzeit ist keine vierte Eingabe, sie ist das Ergebnis.

Ich rechne in diesem Artikel durchgehend mit einem Beispiel: 400.000 € Depotwert, 1.600 € Entnahme im Monat, 4 % Rendite auf das Restkapital, 2 % Inflation. Wer eigene Zahlen einsetzen möchte, tut das im Entnahmeplan-Rechner. Er verwendet genau die Mechanik, mit der ich hier rechne: Entnahme am Monatsanfang, danach Verzinsung des Rests, einmal im Jahr Anhebung der Rate um die Inflation.

Für das Beispiel kommt heraus: Das Kapital reicht 27,0 Jahre. Ausgezahlt werden in dieser Zeit 678.212,74 €, also rund das 1,7fache des Startbetrags. Der Unterschied stammt aus der Rendite, die auf dem noch nicht entnommenen Teil weiterläuft. Die letzte Monatsrate liegt bei 2.677,47 €. Das ist keine Verbesserung des Lebensstandards, sondern nur Inflationsausgleich. 2.677,47 € im 27. Jahr haben nach 26 Jahren mit 2 % Preissteigerung genau die Kaufkraft von heute 1.600 €.

Im ersten Jahr sieht das noch entspannt aus. Entnommen werden 19.200 €, die Rendite auf das schrumpfende Restkapital bringt 15.586,49 €. Der Depotstand fällt von 400.000 € auf 396.386,49 €, also um 3.613,51 €. Nach zehn Jahren stehen noch 335.896,41 €, nach zwanzig Jahren 184.900,77 €, nach 25 Jahren 60.916,39 €. Die ersten zwanzig Jahre kosten 215.099,23 € Substanz, die letzten sieben kosten den ganzen Rest.

Nicht die Summe entscheidet, sondern die Quote

Die häufigste Frage lautet, ob eine bestimmte Summe reicht. Die Summe allein sagt nichts. Entscheidend ist das Verhältnis aus Jahresentnahme und Startkapital, die Entnahmequote.

1.600 € im Monat sind 19.200 € im Jahr, also 4,8 % von 400.000 €. Dieselbe Quote liefert bei jeder anderen Größenordnung exakt dieselbe Reichweite: 200.000 € mit 800 € im Monat, 400.000 € mit 1.600 € und 1.000.000 € mit 4.000 € tragen alle 27,0 Jahre. Wer über Beträge diskutiert, diskutiert über die falsche Zahl.

So wirkt die Quote bei 4 % Rendite und 2 % Inflation, hier am Beispiel von 400.000 €:

Der Zusammenhang ist stark gekrümmt. Wer die Quote von 5,0 % auf 4,5 % senkt, gewinnt 3,8 Jahre. Wer sie von 3,5 % auf 3,0 % senkt, gewinnt 12,2 Jahre. Derselbe halbe Prozentpunkt wirkt unten also mehr als dreimal so stark. Für Pläne im oberen Teil der Tabelle heißt das: Ein paar hundert Euro weniger im Monat verschieben das Ende um einige Jahre, nicht um Jahrzehnte. Was die bekannte Vier-Prozent-Regel in diesem Modell bedeutet, siehst du in der Zeile mit 34,6 Jahren.

An dieser Stelle werden zwei Grenzen regelmäßig verwechselt. Die erste ist die Grenze, ab der das Kapital innerhalb der simulierten 60 Jahre gerade nicht mehr aufgebraucht wird. Sie liegt bei 948 € im Monat, also 2,8 % Quote. Bei 949 € ist der Bestand kurz vor Ablauf der 60 Jahre leer. Kapitalerhalt ist das aber nicht: Bei 948 € liegen nach 60 Jahren noch 1.863,27 €, in heutiger Kaufkraft rund 568 €. Von 400.000 € ist damit praktisch nichts übrig.

Echter Erhalt beginnt deutlich tiefer. Damit nach 60 Jahren nominal wieder 400.000 € dastehen, darfst du 858,26 € im Monat entnehmen, also 2,6 % Quote. Soll auch die Kaufkraft der 400.000 € erhalten bleiben, sind es 652,61 € im Monat, also 1,96 % Quote. Diese 1,96 % sind kein Zufall. Sie sind der reale Ertrag, also das, was von 4 % Rendite nach 2 % Inflation übrig bleibt. Der Abstand ist dabei nicht 4 minus 2, sondern 1,04 geteilt durch 1,02 minus 1. Nur dieser Teil steht dauerhaft zur Verfügung, alles darüber geht an die Substanz.

Die Inflation ist die Zahl, die am häufigsten fehlt

Viele Pläne rechnen mit einer festen Monatsrate über dreißig Jahre. Das unterschätzt den Bedarf systematisch. Lasse ich die Inflationsanpassung im Beispiel weg, trägt dasselbe Kapital 43,1 Jahre statt 27,0 Jahre. Der Unterschied von 16,1 Jahren stammt allein daraus, dass die Rate im Plan konstant bleibt, deine Ausgaben aber nicht.

In die andere Richtung wirkt es genauso deutlich. Mit 3 % statt 2 % Inflation sinkt die Reichweite von 27,0 auf 23,6 Jahre. Die Rendite wirkt spiegelbildlich: Mit 2 % statt 4 % sind es 21,0 Jahre, mit 6 % dagegen 42,8 Jahre. Rendite und Inflation gehören deshalb zusammen betrachtet. Was zählt, ist der Abstand zwischen beiden.

Warum die Reihenfolge der Renditejahre beim Entsparen gefährlich wird

Jeder Rechner unterstellt eine gleichmäßige Rendite. Reale Depots liefern das nie. In der Entnahmephase zählt neben dem Durchschnitt vor allem, wann die schwachen Jahre kommen. Der Fachbegriff dafür lautet Renditereihenfolgerisiko, englisch Sequence-of-Returns-Risiko.

Dafür habe ich eine eigene Simulation gerechnet, mit derselben Monatsmechanik wie der Rechner, aber mit einer Rendite, die sich von Jahr zu Jahr ändert. Die Renditefolge über 30 Jahre lautet: 22 % Verlust, 9 % Verlust, 19 % Gewinn, danach 27 Jahre mit je 7 %. Zusammen ergibt das 424,86 % Zuwachs über 30 Jahre, also 5,68 % pro Jahr. Diese Folge lasse ich in zwei Reihenfolgen laufen. Startkapital, Entnahme und Inflation bleiben identisch, ab Jahr 31 rechne ich in beiden Fällen mit dem Durchschnitt von 5,68 %.

Variante A, die drei Sonderjahre am Anfang. Nach zwei Jahren stehen statt 400.000 € nur noch 249.993,51 € im Depot. Das Kapital ist nach 25,0 Jahren aufgebraucht, ausgezahlt wurden bis dahin 616.105,27 €.

Variante B, dieselben drei Jahre am Ende. Nach zwei Jahren stehen 416.326,21 € im Depot, nach 30 Jahren immer noch 476.328,26 €. Das Kapital trägt 49,0 Jahre und zahlt insgesamt 1.570.893,40 € aus.

Gleiche Renditen, gleiche Entnahme, gleicher Durchschnitt. Der Unterschied von 24 Jahren entsteht ausschließlich durch die Reihenfolge.

Der Grund steckt in den verkauften Anteilen. Nimm an, ein Fondsanteil steht am Start bei 100 €, du hältst also 4.000 Anteile. In Variante A fällt der Kurs binnen zwei Jahren auf 70,98 €. Für die 38.784 € Entnahme dieser beiden Jahre musst du 478,0 Anteile abgeben. Bei gleichbleibendem Kurs wären es 387,8 Anteile gewesen. Die gut 90 Anteile Differenz kommen nie zurück, auch wenn der Kurs später wieder steigt. Sie fehlen bei jeder späteren Erholung.

In der Ansparphase wirkt derselbe Kursrutsch andersherum. Dort kaufst du für dieselbe Sparrate mehr Anteile, und schwache Jahre am Anfang sind sogar günstig. Wie sich beides über Jahrzehnte auswirkt, zeigt der Zinseszinsrechner für die eine und der Entnahmeplan-Rechner für die andere Seite.

Was ein Puffer wirklich bringt

Der übliche Rat lautet, zwei bis drei Jahresentnahmen auf dem Tagesgeldkonto zu halten und in schwachen Jahren daraus zu leben, statt Anteile zu verkaufen. Ich habe das für Variante A durchgerechnet. Zwei Jahresentnahmen sind 19.200 € plus 19.584 €, zusammen 38.784 €. Diesen Betrag nehme ich zum Start aus dem Depot heraus, es beginnt also mit 361.216 €. Der Puffer liegt zu 2 % auf dem Tagesgeldkonto und deckt die Monate 1 bis 24. Was danach übrig bleibt, wandert zurück ins Depot.

Nach zwei Jahren stehen so 257.150,95 € zur Verfügung statt 249.993,51 €, also 7.157,45 € mehr. Die Reichweite steigt von 25,0 auf 26,3 Jahre. Das sind rund 15 Monate.

Fünfzehn Monate klingen bescheiden, und genau das ist der ehrliche Befund. Ein Puffer verhindert den Kursverlust nicht, er verhindert nur, dass du ihn festschreibst. Interessant wird er durch die Gegenrechnung: Bleibt der Kursrutsch aus und läuft das Depot ruhig mit 4 % durch, kostet derselbe Puffer nur 0,8 Monate Reichweite, weil 38.784 € zu 2 % statt zu 4 % arbeiten. Ein knapper Monat Einsatz gegen gut ein Jahr Absicherung, das ist ein Verhältnis, über das sich nachdenken lässt.

Was die Steuer von der Monatsrate abzieht

Alle bisherigen Zahlen sind brutto. Beim Verkauf von Fondsanteilen wird nur der Gewinnanteil besteuert, nicht die gesamte Auszahlung. Der Satz beträgt 25 % nach § 32d Abs. 1 EStG plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf nach § 4 SolzG, zusammen 26,375 %. Bei ETFs, die als Aktienfonds gelten, bleiben zusätzlich 30 % der Erträge nach § 20 Abs. 1 InvStG steuerfrei.

Angenommen, in deinem Depot besteht die Hälfte des Werts aus noch nicht versteuertem Gewinn. Dann kostet jeder verkaufte Euro 50 % mal 70 % mal 26,375 %, also rund 9,23 Cent. Für 1.600 € netto musst du 1.762,72 € verkaufen, 162,72 € gehen an das Finanzamt. Setze ich diese 1.762,72 € als Entnahme in den Rechner ein, sinkt die Reichweite von 27,0 auf 23,8 Jahre. Die Steuer kostet in diesem Beispiel gut drei Jahre.

Welche Anteile als verkauft gelten, regelt § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG: Bei Sammelverwahrung gelten die zuerst angeschafften Papiere als zuerst veräußert. Die ältesten Anteile tragen meist den höchsten Buchgewinn, deshalb ist die Steuerlast am Anfang des Ruhestands am höchsten und sinkt später. Was in deinem Fall konkret anfällt, rechnest du im Abgeltungssteuer-Rechner nach.

Dazu kommt die Vorabpauschale auf thesaurierende Fonds, die auch ohne Verkauf anfällt. Für 2026 hat die Bundesbank einen Basiszins von 3,20 % ermittelt, festgestellt im BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026. Der Basisertrag ist nach § 18 InvStG der Wert zu Jahresbeginn mal Basiszins mal 70 %. Für 400.000 € sind das 8.960 €. Nach der Teilfreistellung von 30 % bleiben 6.272 € steuerpflichtig, abzüglich des Sparer-Pauschbetrags von 1.000 € nach § 20 Abs. 9 EStG also 5.272 €. Die Steuer darauf beträgt 1.390,49 €. Aus diesem Grund habe ich den Pauschbetrag oben bei der Verkaufsrechnung weggelassen, er ist bereits aufgebraucht.

Zwei Entwarnungen gehören dazu. Die Vorabpauschale ist auf die tatsächliche Wertsteigerung des Jahres begrenzt und fällt in einem Verlustjahr nicht an. Und sie wird beim späteren Verkauf gegengerechnet, denn nach § 19 Abs. 1 Satz 3 InvStG mindern die während der Besitzzeit angesetzten Vorabpauschalen den Veräußerungsgewinn. Details dazu stehen im Vorabpauschale-Rechner. Wer im Ruhestand einen niedrigen persönlichen Steuersatz hat, sollte außerdem die Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG kennen. Auf Antrag werden die Kapitaleinkünfte der tariflichen Einkommensteuer unterworfen, wenn das zu einer niedrigeren Steuer führt.

Drei Fragen, die mir immer wieder gestellt werden

„Reicht mein Depot für 2.000 € im Monat?“ Bei 400.000 € Kapital sind 2.000 € eine Quote von 6,0 %. Das Geld trägt 20,3 Jahre. Rechnest du die Steuer mit, brauchst du 2.203,40 € brutto und landest bei 18,1 Jahren. Für 2.000 € über 30 Jahre brauchst du in diesem Modell rund 541.000 €, für 35 Jahre rund 605.000 €.

„Wie viel muss ich verkaufen, damit netto 1.600 € ankommen?“ Bei einem Gewinnanteil von 50 % sind es 1.762,72 €. Steckt weniger Gewinn im Depot, sinkt der Aufschlag. Bei 25 % Gewinnanteil reichen 1.677,42 €, bei 75 % sind es 1.857,16 €. Welche Anteile als verkauft gelten, kannst du dabei nicht frei wählen. Nach § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG gelten die zuerst angeschafften Papiere eines Depots als zuerst veräußert.

„Was passiert, wenn das Geld mit 85 alle ist?“ Wer mit 65 aufhört und 2.000 € aus 400.000 € entnimmt, steht mit gut 85 vor einem leeren Depot. Die gesetzliche Rente läuft dann weiter, der Entnahmeplan nicht. Deshalb gehört in das Feld für die monatliche Entnahme nicht der Wunschbetrag, sondern die tatsächliche Lücke zwischen Rente und Ausgaben. Wie du sie ermittelst, steht unter Rentenlücke berechnen, rechnen kannst du sie im Rentenlücken-Rechner.

Wie ich einen Entnahmeplan aufstellen würde

Erstens mit der Lücke starten, nicht mit einer Wunschsumme. Renten, Mieteinnahmen und Betriebsrenten gehören zuerst gegengerechnet.

Zweitens drei Renditeannahmen durchrechnen statt einer. Bei 400.000 € und 1.600 € liegt die Spanne zwischen 21,0 Jahren mit 2 % und 42,8 Jahren mit 6 %. Diese Bandbreite ist die ehrliche Antwort, eine einzelne Jahreszahl ist sie nicht.

Drittens die Quote prüfen, nicht die Summe. Sie sagt dir in einer Zahl, ob dein Plan im flachen oder im steilen Teil der Kurve liegt.

Viertens die Steuer aufschlagen, bevor du die Reichweite bewertest. Drei Jahre Unterschied sind kein Detail.

Fünftens einen Puffer für die ersten Jahre vorhalten und die Rate flexibel halten. Beides kostet wenig und wirkt genau dann, wenn es darauf ankommt.

Und sechstens einmal im Jahr nachrechnen. Ein Entnahmeplan ist keine Entscheidung, die dreißig Jahre hält, sondern eine Rechnung, die du jährlich an den tatsächlichen Depotstand anpasst.

Häufige Fragen

Was ist ein Auszahlplan?
Ein Auszahlplan, auch Entnahmeplan genannt, kehrt den Sparplan um. Statt monatlich einzuzahlen, lässt du dir monatlich einen festen Betrag auszahlen. Das noch nicht entnommene Kapital bleibt angelegt und bringt weiter Rendite. Anders als bei einer Rentenversicherung bleibt das Vermögen dein Eigentum und geht im Todesfall an die Erben. Dafür gibt es keine Zusage, dass es bis zum Lebensende reicht.
Wie viel Geld braucht man, um von den Zinsen leben zu können?
Von den Erträgen allein zu leben, ohne die Substanz anzutasten, kostet deutlich mehr Kapital als ein Plan mit geplantem Verzehr. Dauerhaft zur Verfügung steht nur der Abstand zwischen Rendite und Inflation. In meinem Beispiel mit 4 % Rendite und 2 % Inflation sind das nicht 2 %, sondern 1,96 % im Jahr, denn gerechnet wird 1,04 geteilt durch 1,02 minus 1. Aus 400.000 € ergibt das 652,61 € im Monat. Wer nur den Nennwert halten will und die Kaufkraft außer Acht lässt, kommt auf 858,26 € im Monat. Für 2.000 € im Monat brauchst du bei echtem Kapitalerhalt rund 1.226.000 €, für den bloßen Nennwerterhalt rund 932.000 €. Die oft genannte Grenze, ab der ein Depot innerhalb von 60 Jahren nicht leerläuft, liegt zwar schon bei 948 € im Monat. Nach 60 Jahren liegen dort aber nur noch 1.863,27 €, und das ist kein Kapitalerhalt.
Wie lange reichen 500.000 Euro im Ruhestand?
Das hängt an der Entnahmequote, nicht an der Summe. Mit 4 % Rendite und 2 % Inflation reichen 500.000 € bei 1.500 € im Monat 40,4 Jahre, bei 1.666,67 € im Monat 34,6 Jahre, bei 2.000 € im Monat 27,0 Jahre und bei 2.500 € im Monat nur noch 20,3 Jahre. Dieselben Reichweiten ergeben sich bei 400.000 € Kapital und entsprechend um ein Fünftel niedrigeren Raten. Steuern sind in diesen Werten nicht enthalten.
Wie viel kann ich mir auszahlen, ohne dass mein Vermögen zu früh aufgebraucht ist?
Rechne rückwärts von der Zahl der Jahre, die du abdecken willst. Bei 400.000 €, 4 % Rendite und 2 % Inflation ergeben 1.696,94 € im Monat eine Reichweite von 25 Jahren, 1.478,09 € eine von 30 Jahren, 1.323,23 € eine von 35 Jahren und 1.208,34 € eine von 40 Jahren. Wer mit 65 in Rente geht und bis 100 planen will, landet also bei rund 1.323 € aus 400.000 €. Steuern kommen darauf noch obendrauf.
Welche Risiken gibt es beim Entsparen?
Vier Risiken wirken zusammen. Erstens das Langlebigkeitsrisiko, also länger zu leben als der Plan trägt. Zweitens das Renditereihenfolgerisiko, also schwache Börsenjahre gleich zu Beginn der Entnahme. Drittens die Inflation, die deine Rate jedes Jahr teurer macht. Viertens ungeplante Ausgaben wie Pflege oder ein Autokauf, die in keiner Monatsrate stecken. Steuern sind kein Risiko, sondern eine sichere Kürzung, die viele Pläne trotzdem nicht enthalten.
Sollte ich meine Entnahmen in Krisenzeiten aussetzen oder reduzieren?
Jeder Euro, den du in einem schwachen Jahr nicht verkaufst, bleibt investiert und nimmt an einer Erholung teil. In meiner Simulation mit einem Kursrutsch zum Start bringt schon ein Tagesgeldpuffer über zwei Jahresentnahmen rund 15 Monate mehr Reichweite, weil in dieser Zeit keine Anteile zu gedrückten Kursen verkauft werden. Ob du eine Kürzung im Alltag durchhältst, ist die andere Frage. Fixkosten lassen sich nicht aussetzen, Reisen und Anschaffungen schon.
Wie viel Steuern zahle ich, wenn ich im Ruhestand ETF-Anteile verkaufe?
Besteuert wird nur der Gewinnanteil des verkauften Betrags, nicht die ganze Auszahlung. Der Satz liegt bei 25 % nach § 32d Abs. 1 EStG plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf nach § 4 SolzG, zusammen 26,375 %. Bei ETFs, die als Aktienfonds gelten, bleiben zusätzlich 30 % der Erträge nach § 20 Abs. 1 InvStG steuerfrei. Steckt in deinem Depot die Hälfte Gewinn, kostet jeder verkaufte Euro damit rund 9,23 Cent Steuer. Für 1.600 € netto musst du 1.762,72 € verkaufen.
Was passiert mit meinem Portfolio, wenn ich vorzeitig sterbe?
Das Restdepot gehört zum Nachlass und geht an die Erben. Das ist der wesentliche Unterschied zu einer Sofortrente, bei der die Zahlung mit dem Tod endet. Für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner gilt ein Erbschaftsteuer-Freibetrag von 500.000 €, für Kinder je 400.000 € nach § 16 ErbStG. Der Erbfall selbst löst keine Abgeltungsteuer auf Kursgewinne aus. Bei unentgeltlichem Erwerb wird dem Rechtsnachfolger nach § 20 Abs. 4 Satz 6 EStG die Anschaffung durch den Rechtsvorgänger zugerechnet, die Steuer auf den Kursgewinn fällt also erst beim eigenen Verkauf des Erben an.

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Wie lange dein Geld im Ruhestand reicht

Die meisten schätzen, wie lange ihr Kapital trägt. Ich rechne es dir vor, mit Entnahme, Rendite, Inflation und Steuern. Inklusive der Frage, warum die 4-Prozent-Regel in Deutschland anders wirkt.

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