Was dieser Rechner macht
Der Rechner zeigt dir, was aus deinem Startkapital und deiner monatlichen Sparrate über die Jahre wird. Du siehst nicht nur das Endkapital, sondern auch, wie viel davon du selbst eingezahlt hast und wie viel die Zinsen beigetragen haben. Genau diese Aufteilung ist der interessante Teil. Für einen festen Zielbetrag und ein festes Zieljahr nutzt du stattdessen den Sparrate-zur-Million-Rechner.
So rechne ich das aus
Der Rechenweg besteht aus einem Schritt, der sich jeden Monat wiederholt.
Schritt 1: Jahreszins auf Monatszins umrechnen. Wenn du 6 % pro Jahr erwartest, sind das nicht einfach 0,5 % pro Monat. Zwölf Monate mit je 0,5 % ergeben durch den Zinseszins 6,17 % im Jahr, also mehr als du eingegeben hast. Ich rechne deshalb geometrisch um. Aus 6 % pro Jahr werden 0,4868 % pro Monat. Zwölf solche Monate ergeben exakt 6 %.
Das klingt nach Erbsenzählerei, macht über lange Laufzeiten aber einen Unterschied von mehreren tausend Euro. Viele Rechner im Netz nehmen die einfache Näherung und zeigen dir deshalb ein etwas zu schönes Ergebnis.
Schritt 2: Vorhandenes Kapital verzinsen. Im ersten Monat sind das 10.000 €, die um 0,4868 % wachsen. Das sind 48,68 € Zinsen. Dein Kapital steht bei 10.048,68 €.
Schritt 3: Sparrate addieren. Am Monatsende kommen 250 € dazu. Du stehst bei 10.298,68 €.
Schritt 4: Wiederholen. Im zweiten Monat werden die 10.298,68 € verzinst, nicht mehr die ursprünglichen 10.000 €. Das ist der Zinseszins. Danach kommen wieder 250 € dazu.
Nach 20 Jahren, also 240 Wiederholungen, stehst du bei 145.431,01 €. Eingezahlt hast du davon 70.000 €, nämlich 10.000 € Startkapital plus 240 mal 250 €. Die restlichen 75.431,01 € sind Zinsen.
Das ist der Punkt, an dem die Rechnung interessant wird: Nach 20 Jahren stammt mehr Geld aus Zinsen als aus eigenen Einzahlungen. Nach 30 Jahren sind es 301.063,15 €, davon 100.000 € eingezahlt und 201.063,15 € Zinsen. Der Zinsanteil hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt, obwohl du keinen Euro mehr im Monat gespart hast.
Warum die letzten Jahre am meisten bringen
Viele hören mit dem Sparen auf, weil es sich in den ersten Jahren kaum zu lohnen scheint. Nach fünf Jahren stehst du in diesem Beispiel bei 30.753,70 €, davon 25.000 € eingezahlt. Die Zinsen machen 5.753,70 € aus, also nicht einmal ein Fünftel.
Der Grund ist einfach: Zinsen entstehen auf das, was schon da ist. In den ersten Jahren ist wenig da. Nach zwanzig Jahren arbeiten 145.431,01 € für dich, und 6 % darauf sind allein im nächsten Jahr 8.725,86 €. Das ist fast dreimal so viel, wie du in diesem Jahr selbst einzahlst.
Daraus folgt die unbequeme Wahrheit dieser Rechnung: Der wertvollste Faktor ist Zeit, und den kannst du nicht nachkaufen. Wer zehn Jahre später anfängt, muss die Sparrate ungefähr verdoppeln, um am selben Punkt zu landen.
Was dabei oft übersehen wird
Die Steuer fehlt in jeder Bruttorechnung. Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fallen 25 % Abgeltungsteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf an, zusammen 26,375 %. Steuerfrei bleiben 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr über den Sparerpauschbetrag, bei Ehepaaren 2.000 €. Auf die 75.431,01 € Zinsen aus dem Beispiel wären das ohne Freibeträge 19.894,93 € Steuer. Bei einem Aktienfonds mindert die Teilfreistellung von 30 % diesen Betrag. Wer mit ETFs spart, zahlt außerdem jedes Jahr die Vorabpauschale, auch ohne einen einzigen Anteil zu verkaufen.
Kosten wirken wie negative Rendite. Eine Verwaltungsgebühr von 0,5 % pro Jahr klingt harmlos. Sie senkt aber die Rendite von 6 % auf 5,5 %, und das kostet über 30 Jahre 28.492,23 €. Wie stark sich Kosten auswirken, siehst du im ETF-Sparplanrechner.
Die Durchschnittsrendite verschweigt die Reihenfolge. Der Rechner unterstellt jedes Jahr denselben Zins. Die Realität schwankt. Für die Ansparphase ist das weniger dramatisch, weil du in schlechten Jahren günstiger nachkaufst. In der Entnahmephase dreht sich das um, dort können frühe Verlustjahre das Kapital dauerhaft schmälern.
Inflation frisst einen Teil. 145.431,01 € in 20 Jahren fühlen sich heute nach viel an. Bei 2 % Inflation entsprechen sie einer heutigen Kaufkraft von 97.870,90 €. Wenn du in heutiger Kaufkraft rechnen willst, zieh die erwartete Inflation von der Rendite ab und rechne mit der Differenz, in diesem Fall mit 4 %.
Wie du den Rechner sinnvoll benutzt
Rechne nicht eine Variante, sondern drei. Eine optimistische mit 8 %, eine mittlere mit 6 % und eine vorsichtige mit 4 %. Über 20 Jahre ergibt das 188.859,34 €, 145.431,01 € und 112.871,66 €. Die Spanne von 75.987,68 € zeigt dir, wie sehr das Endergebnis von einer Annahme abhängt, die niemand kennt.
Danach dreh an der Sparrate statt an der Rendite. Die Rendite kannst du nicht steuern, deine Sparrate schon. Bei diesem Beispiel bringen 50 € mehr im Monat über 20 Jahre 22.671,93 € zusätzlich. Das ist mehr, als ein Prozentpunkt Renditeunterschied ausmacht, und es liegt in deiner Hand.
Und plane die Sparrate so, dass du sie auch in einem schlechten Jahr durchhältst. Ein Sparplan, den du nach drei Jahren aussetzt, weil er zu ambitioniert war, bringt weniger als eine kleinere Rate, die dreißig Jahre läuft.