Die kurze Antwort
750.000 € können für einen Ruhestand reichen, wenn dein ungedeckter Monatsbedarf ungefähr zwischen 1.875 € und 2.500 € liegt. Eine spätere gesetzliche oder betriebliche Rente kann den Plan deutlich stabilisieren. Hohe Wohnkosten, zwei vollständig zu finanzierende Personen oder ein sehr früher Ausstieg können den Betrag dagegen überfordern.
Die Summe liegt in einem Bereich, in dem eine kleine Veränderung der Ausgaben große Folgen hat. 500 € mehr Monatsbedarf entsprechen 6.000 € im Jahr. Bezogen auf 750.000 € erhöht das die anfängliche Entnahmerate um 0,8 Prozentpunkte. Deshalb entscheidet nicht die runde Zahl, sondern ein vollständiges gemeinsames Budget.
Drei Monatswerte zur Orientierung
| Anfängliche Rate | Betrag pro Jahr | Betrag pro Monat |
|---|---|---|
| 3 % | 22.500 € | 1.875 € |
| 3,5 % | 26.250 € | rund 2.188 € |
| 4 % | 30.000 € | 2.500 € |
Die Werte gelten brutto für das erste Jahr. Die historische 4-Prozent-Regel erhöht den anfänglichen Eurobetrag später mit der Inflation. Sie wurde mit historischen US-Daten und bestimmten Aktien-Anleihe-Mischungen untersucht. Deutsche Steuern, Versicherungsbeiträge und deine individuelle Laufzeit gehören nicht zu dieser Faustregel.
Der Privatier-Rechner verbindet dein vorhandenes Kapital mit Ausgaben, Startalter und späterer Netto-Rente. Nutze ihn nicht nur mit einer mittleren Zahl. Rechne einen normalen Monat, ein teures Jahr und eine Variante mit geringerem Einkommen.
Eine Person mit 2.200 Euro Bedarf
Ein vollständiger Monatsbedarf von 2.200 € entspricht 26.400 € im Jahr und 3,52 % des Startkapitals. Das liegt nahe an der Modellrate von 3,5 %. Für eine Person mit stabilen Wohnkosten und späterer Rente kann das eine plausible Ausgangslage sein.
Der Betrag muss sämtliche Kosten enthalten. Neben Lebensmitteln, Wohnen und Mobilität gehören Kranken- und Pflegeversicherung, Reisen, Ersatzanschaffungen und größere unregelmäßige Ausgaben hinein. Wenn alle fünf Jahre ein Fahrzeug für 25.000 € ersetzt wird, entspricht das rechnerisch weiteren 417 € im Monat. Ohne diese Rücklage wäre der Plan unvollständig.
Beginnt später eine Netto-Rente von 1.500 €, sinkt die Depotlücke auf 700 € im Monat. Dann verändert sich die Aufgabe des Kapitals von einer vollständigen Finanzierung zu einer Ergänzung. Die Jahre bis zum Rentenbeginn bleiben aber separat zu tragen.
Ein Paar mit gemeinsamem Budget
Bei zwei Personen steigen nicht alle Kosten doppelt. Miete oder Grundsteuer werden geteilt. Lebensmittel, Versicherungen, Mobilität und persönliche Ausgaben erhöhen den Bedarf trotzdem. Ein gemeinsamer Monatsbedarf von 3.500 € entspricht 42.000 € im Jahr und 5,6 % von 750.000 €. Ohne weitere Einkünfte liegt diese Rate deutlich über der 4-Prozent-Orientierung.
Zwei spätere Renten können den Verlauf stark verbessern. Ebenso wichtig ist das Risiko, dass eine Rente beim Tod eines Partners nicht in voller Höhe weiterläuft. Gleichzeitig sinken die gemeinsamen Ausgaben häufig nicht proportional. Eine Planung für Paare benötigt deshalb mindestens zwei Phasen: beide leben und nur eine Person lebt länger.
Auch Pflegekosten und Unterstützung innerhalb der Familie können den Bedarf verändern. Dafür gibt es keine zuverlässige Pauschale. Entscheidend ist, welche Ausgaben im eigenen Plan flexibel und welche unvermeidbar sind.
Der Unterschied zwischen früher und regulärer Rente
Wer mit 55 aufhört und bis 95 plant, betrachtet 40 Jahre. Wer mit 67 beginnt, betrachtet bei gleichem Endalter 28 Jahre. Eine Entnahmerate, die in historischen 30-Jahres-Zeiträumen funktionierte, beantwortet den längeren Zeitraum nicht automatisch.
Angenommen, du brauchst bis 67 monatlich 2.500 €. Mit 62 beginnend kostet die fünfjährige Brücke ohne Rendite und Inflation 150.000 €. Danach erhältst du 1.600 € Netto-Rente und musst noch 900 € ergänzen. Von der Startsumme bleibt in der vereinfachten Rechnung wesentlich mehr übrig, als wenn du bereits mit 55 dieselbe Brücke beginnst.
Der Zeitpunkt der Rente und ihr erwarteter Nettobetrag gehören deshalb als eigene Eingaben in die Planung. Prüfe Renteninformation, betriebliche Ansprüche und mögliche Abschläge. Der Rentenlücken-Rechner zeigt die verbleibende monatliche Differenz.
Sicherheitsmarge statt maximaler Monatsrate
Die höchste rechnerische Entnahme ist nicht automatisch das sinnvolle Budget. Eine Sicherheitsmarge erfüllt mehrere Aufgaben. Sie fängt unerwartete Ausgaben ab, erlaubt Anpassungen nach schwachen Börsenjahren und schützt vor zu optimistischen Annahmen bei Rente oder Inflation.
Bei 750.000 € entspricht ein Prozentpunkt Entnahmerate 7.500 € im Jahr oder 625 € im Monat. Wer statt 4 % zunächst 3,5 % plant, lässt rechnerisch 3.750 € pro Jahr mehr im Depot. Diese Differenz garantiert nichts, schafft aber Spielraum.
Eine Reserve außerhalb schwankender Anlagen kann zusätzlich verhindern, dass ein festes Monatsbudget sofort Verkäufe nach einem Kursrückgang erzwingt. Ihre Höhe hängt vom sicheren Einkommen ab. Ein Haushalt mit zwei verlässlichen Renten benötigt möglicherweise weniger kurzfristige Deckung als ein Haushalt, der vollständig vom Depot lebt.
Krankenversicherung und Wohnen
Die Krankenversicherung kann für eine Person einige hundert Euro und für ein Paar deutlich mehr ausmachen. Bei freiwillig gesetzlich Versicherten können weitere Einnahmen in die Beitragsberechnung einfließen. Private Versicherungen folgen ihren Tarifregeln. Vor dem Ausstieg sollte jede Person eine schriftliche Auskunft über den erwarteten Beitrag einholen.
Wohneigentum senkt möglicherweise die monatliche Belastung, ist aber keine kostenlose Position. Instandhaltung, Abgaben, Versicherungen und Modernisierung bleiben. Wer 60.000 € für Arbeiten in den nächsten zehn Jahren erwartet, muss dafür rechnerisch 500 € im Monat zurücklegen. Bei 750.000 € entspricht das allein 0,8 % Entnahmerate.
Diese beiden Kostenblöcke erklären, warum identische Vermögen zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Der Plan muss vom Lebensmodell zur Kapitalsumme führen, nicht umgekehrt.
Steuer auf Verkäufe und Erträge
Bei einem Depotverkauf wird grundsätzlich der Veräußerungsgewinn besteuert. Nach § 20 Absatz 4 EStG ergibt er sich vereinfacht aus Erlös abzüglich Anschaffungskosten. Eine Auszahlung von 30.000 € kann deshalb einen kleinen oder großen steuerpflichtigen Gewinnanteil enthalten.
Für viele Kapitalerträge gilt nach § 32d EStG grundsätzlich ein Steuersatz von 25 %. Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer können hinzukommen. Bei Aktienfonds sind für Privatanleger nach § 20 InvStG grundsätzlich 30 % der Erträge teilfreigestellt.
Der Sparer-Pauschbetrag, Verluste und bereits angesetzte Vorabpauschalen verändern die konkrete Belastung. Rechne den benötigten Nettobetrag mit deiner Kaufhistorie. Der ETF-Verkauf-Rechner bildet mehrere Tranchen nach FIFO ab.
Das Urteil für 750.000 Euro
Für eine Person mit überschaubaren Ausgaben und späterer Rente können 750.000 € eine tragfähige Basis sein. Für ein Paar ohne sichere Einkünfte und mit 3.500 € oder mehr Monatsbedarf ist die Summe deutlich knapper. Die Laufzeit, nicht nur die Monatsrate, entscheidet.
Rechne im Privatier-Rechner alle Phasen und führe im Entnahmeplan-Rechner mehrere Entnahmeraten aus. Vergleiche anschließend die benachbarten Kapitalstufen 500.000 Euro und eine Million Euro. So siehst du, welche zusätzliche Monatsmarge mehr Kapital tatsächlich schafft.
Quellen und Grenzen
Die Entnahmeraten sind Modellwerte. William Bengens historische Untersuchung „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“ ist eine Grundlage der verbreiteten Faustregel. Steuerliche Angaben stammen aus dem Einkommensteuer- und Investmentsteuergesetz. Eine individuelle Entscheidung benötigt deine tatsächlichen Ausgaben, Depotdaten, Versicherungsbeiträge und Einkünfte.