Was dir der Privatier-Rechner zeigt
Der Privatier-Rechner macht drei Größen sichtbar: dein Ziel, deinen Stand und deine Lücke. Du beginnst mit einer einzigen Frage zu deinen monatlichen Lebenshaltungskosten. Direkt danach steht deine Privatier-Zahl auf dem Bildschirm.
Erst im zweiten Schritt kommen dein Alter und deine erwartete Netto-Rente dazu. Daraus entsteht deine Rentenlücke. Im dritten Schritt ergänzt du dein heutiges Kapital und deine monatliche Sparrate. Der Rechner zeigt dann den rechnerischen Abstand zu deinem Ziel.
Der Ablauf bleibt bewusst bei Zahlen. Der Rechner bewertet dich nicht. Er empfiehlt auch keine Investmentstrategie. Eine öffentliche Modellrechnung kann weder deine Risikotragfähigkeit noch deine persönliche Steuerlage oder deine übrigen Einkünfte vollständig erfassen. Der Leitfaden Privatier werden ordnet das Ergebnis deshalb in einen vollständigen Plan aus Ausgaben, Steuern, Krankenversicherung, Renten und Reserven ein.
So entsteht deine Privatier-Zahl
Deine monatlichen Lebenshaltungskosten werden zuerst auf ein Jahr hochgerechnet und danach mit 25 multipliziert.
Bei 3.000 € im Monat sieht die Rechnung so aus:
3.000 € mal 12 mal 25 = 900.000 € Privatier-Zahl.
Der Faktor 25 entspricht der bekannten 4-Prozent-Faustregel. Eine anfängliche Entnahme von 4 % aus 900.000 € ergibt 36.000 € im Jahr. Das sind 3.000 € im Monat.
Diese Rechnung liefert eine Hausnummer. Sie beweist nicht, dass das Geld in jeder Marktlage und über jede beliebige Dauer reicht. Die ursprüngliche Untersuchung zur Entnahmeregel arbeitete mit historischen US-Daten und begrenzten Ruhestandszeiträumen. Mehr dazu findest du in der Untersuchung Determining Withdrawal Rates Using Historical Data.
So berechnet der Rechner deine Rentenlücke
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen deinen heutigen monatlichen Lebenshaltungskosten und deiner erwarteten monatlichen Netto-Rente. Beide Zahlen gehören in heutiger Kaufkraft in den Rechner.
Bei 3.000 € Lebenshaltungskosten und 1.800 € Netto-Rente fehlen ab Rentenbeginn 1.200 € pro Monat. Die Rente deckt damit 60 % des heutigen Lebens. 40 % bleiben ungedeckt.
Nach derselben Faustregel entsprechen 1.200 € monatlicher Lücke einem Kapital von 360.000 €:
1.200 € mal 12 mal 25 = 360.000 €.
Die Ergebnis-Karte trennt zwei Zeiträume. Vor dem Rentenbeginn muss dein Vermögen deine Lebenshaltungskosten vollständig tragen. Ab dem Rentenbeginn muss es nur noch die Differenz zwischen Lebenshaltungskosten und Netto-Rente ausgleichen.
Wer heute 55 ist, sofort frei sein möchte und die Rente ab 67 erhält, hat zwölf Jahre ohne Rente zu überbrücken. In diesem Zeitraum müssen bei 3.000 € Bedarf jeden Monat die vollständigen 3.000 € aus dem Vermögen oder aus anderen Einkünften kommen. Ab 67 sinkt die monatliche Lücke im Beispiel auf 1.200 €.
„So früh wie möglich“ oder ein späteres Alter
Die Vorbelegung „So früh wie möglich“ setzt dein Freiheitsalter mit deinem heutigen Alter gleich. Die Projektion erfindet dann keine zusätzlichen Jahre. Dein Stand ist dein heutiges Kapital.
Du kannst stattdessen ein konkretes späteres Alter auswählen. Der Rechner verzinst dann dein vorhandenes Kapital und jede monatliche Sparrate bis zu diesem Alter. So kannst du prüfen, wie sich mehr Zeit auf deinen rechnerischen Stand auswirkt.
Ein Freiheitsalter vor deinem heutigen Alter ist nicht möglich. Ändert sich dein heutiges Alter, passt der Rechner die Auswahl „So früh wie möglich“ automatisch an.
Die feste Renditeannahme von 7 %
Für die Projektion bis zu deinem gewählten Freiheitsalter verwendet der Rechner fest 7 % Rendite pro Jahr. Die Jahresrendite wird geometrisch auf Monate umgerechnet. Neue Sparraten werden jeweils am Ende des Monats berücksichtigt.
Die 7 % sind keine Vorhersage. Die Börse entwickelt sich nicht gleichmäßig. Es gibt starke Jahre, schwache Jahre und längere Verlustphasen. Steuern und Kosten können das Ergebnis zusätzlich senken.
Die feste Annahme erfüllt einen einfachen Zweck. Unterschiedliche Eingaben bleiben miteinander vergleichbar. Der Rechner zeigt den Stand deines heutigen Plans, ohne das Ergebnis mit einer frei wählbaren Wunsch-Rendite zu verändern.
Wenn du Rendite, Laufzeit und Kosten selbst variieren möchtest, nutze den ETF-Sparplanrechner. Für die spätere Entnahme aus einem vorhandenen Vermögen ist der Entnahmeplan-Rechner die passendere zweite Rechnung.
Beispiel mit den Standardwerten
Im Standardbeispiel brauchst du 3.000 € im Monat zum Leben. Deine Privatier-Zahl beträgt deshalb 900.000 €.
Du bist 55 Jahre alt und möchtest so früh wie möglich frei sein. Deine erwartete Netto-Rente beträgt 1.800 € ab 67. Die Rente deckt damit 60 % deiner heutigen Lebenshaltungskosten. Es fehlen ab Rentenbeginn 1.200 € pro Monat. Das zugehörige Lücken-Kapital beträgt 360.000 €.
Heute sind 50.000 € Kapital vorhanden. Du legst 300 € im Monat zurück. Weil „so früh wie möglich“ im Standardfall heute bedeutet, steht in der Projektion kein zusätzlicher Zeitraum zur Verfügung. Dein Stand beträgt 50.000 €. Die Lücke zur Privatier-Zahl beträgt 850.000 €.
Wählst du ein späteres Freiheitsalter, wächst der Stand durch die 7-%-Modellrendite und deine monatliche Sparrate. Die Zahl wird dabei auf volle Euro angezeigt. Sie wird nicht auf glatte Tausender oder eine gefällige runde Summe verkürzt.
Häufige Fehler bei der Eingabe
Trag bei den Lebenshaltungskosten nicht dein Wunschleben ein. Nimm den Betrag, den du für dein normales Leben tatsächlich brauchst. Miete, Lebensmittel, Auto, Versicherungen, Reisen und regelmäßige Verpflichtungen gehören dazu.
Verwechsle die Brutto-Rente nicht mit der Netto-Rente. Der Rechner fragt bewusst nach dem Betrag, der dir voraussichtlich nach Abzügen zur Verfügung steht. Ist der Betrag unklar, rechne vorsichtig und prüfe später mit einer aktualisierten Auskunft nach.
Zähl dasselbe Vermögen nicht doppelt. Dein heutiges Kapital gehört in das Kapitalfeld. Eine monatliche Sparrate gehört nur in das Sparratenfeld. Künftige Einzahlungen sind noch kein heutiges Kapital.
Lies die Lücke nicht als Urteil. Sie ist der mathematische Abstand zwischen deinen Eingaben und deiner Privatier-Zahl. Ändern sich deine Ausgaben, dein Kapital, deine Sparrate oder dein Zeithorizont, ändert sich auch die Lücke.
Was das Ergebnis nicht verspricht
Der Rechner kennt keine Mieteinnahmen, privaten Renten, Erbschaften oder späteren Teilzeit-Einkünfte, solange du sie nicht indirekt in deinem Bedarf berücksichtigst. Er kennt auch keine individuelle Steuerbelastung, Fondskosten oder Depotkosten.
Das Ergebnis ist deshalb kein fertiger Finanzplan. Es ist eine nachvollziehbare Orientierung mit festen Annahmen. Rechne erneut, wenn sich deine Lebenshaltungskosten, deine Rentenauskunft oder dein investiertes Kapital verändern.
Eine grüne Karte bedeutet, dass dein Stand in dieser vereinfachten Rechnung mindestens deine Privatier-Zahl erreicht. Sie ist keine Garantie für eine bestimmte Rendite oder eine unbegrenzte Entnahmedauer. Plane für persönliche Entscheidungen zusätzliche Reserven ein und prüfe die Annahmen für deine konkrete Situation.